1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Am Tag, als keiner kam

Maselters Stefan hat nicht angerufen diese Woche. Ach Mann. Weil: Stefan ruft sonst immer in der Weiberdonnerstagswoche an, um mit mir den Weiberdonnerstag durchzusprechen.

Stefan ist, erstens, einer meiner sieben Nothelfer, ich erzählte es bereits, und obendrein von tiefer Seelenruhe und kaum zu erschütternder Freundlichkeit, ganz anders als ich. Ihn rufen verzweifelt-besorgte Menschen an, wenn sich ein Pneu peu à peu entlüftet oder sonst was ist, auch ich tat’s öfter schon und kriegte stets geholfen, nicht nur mit meinen Reifen.

Vor allem aber ist er was Wichtiges in der Prümer Karnevalshierarchie: der Hauptmann, und dadurch hat er die tagesterminplanerische Sessionslogistik, wie wir sagen, unter sich. Jeden Weiberdonnerstag, immer nach dem Rathaussturm, kommen die dann, wie vorher am Telefon abgemacht, „so um zwölf Uhr, kann bisschen später werden“ (wird meistens später) mit dem ganzen Verein stramm hier reingedonnert in die viel zu kleine Redaktion, mit Musik und Prinz oder, wenn Schaltjahr ist, Damendreigestirn, dann finden die Aufklärer (eine besonders effektive Einheit der Garde) sekundenschnell den Kühlschrank mit den morgens hektisch noch gekauften, nicht allerbilligsten Sektflaschen (ich hol meistens die mittelbilligsten, selbst bezahlt, als Spesen kann ich denen in Trier sowas nicht aufdrücken, dabei sind solche Ausgaben ja immens wichtig, für die, äh, Lesernähe). Dann zischen die den Sekt weg, versauen die mir die Bude, schwingen kurz etwas Redenähnliches, Jubel, ich dichte aus der Lameng zurück, Jubel, Dank, Applaus, schnell noch das Foto machen, fertig, wat woor et widder schön – und dann haut die ganze Truppe angenehm zügig wieder ab, dem nächsten Termin entgegen, während ich die Plastikbecher einsammele, die Bilder wieder geradehänge, die Flaschen beieinanderräume und draußen, in den Straßen dieser Stadt, das Trömmelchen geht, noch stundenlang.

Schnief. Stefan: Ruf einfach mal an. Dann tun wir zwei so, als wärt ihr auch diesen Donnerstag da gewesen, und es wär widder rich-tich schön gewesen und alles. Ach, ach.

Et jit net jerannt.