1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Holznehmer und Nassstriche

Dieser Tage meldete der TV, dass die Polizei bei Gerolstein ein paar „deutlich überladene Holtransporter“ angehalten habe. Da bölkte mein innerer Sprachpolizeihauptkommissar sofort: Das heißt nicht Holtransporter, das heißt Nimmtransporter, du Eifelheini!

Dieser Tage meldete der TV, dass die Polizei bei Gerolstein ein paar „deutlich überladene Holtransporter“ angehalten habe. Da bölkte mein innerer Sprachpolizeihauptkommissar sofort: Das heißt nicht Holtransporter, das heißt Nimmtransporter, du Eifelheini!

Aber nein. Ich war da voll auf dem Ho(h)lweg. Es ging um Holztransporter, klar. Das „z“ vergessen, die lieben Kollegen. Schade eigentlich, denn Holtransporter ist ein schönes Wort.

Und dann, am gleichen Tag, noch ein schönes Wort im Volksfreund. Auf unserer Ratgeberseite hieß es: „Bei Nassestrich auf genügend Trockenzeit achten.“ Nassestrich. Hm. Nasser Strich? Nasenabstrich (hier schnell ein Gruß ins schöne Nasingen!)? Wie? Was? Das heißt Nass-Estrich? Ach. Wieder vertan. Es ist nämlich so (Geheimnis! Nähkästchen!), Leser: Journalisten haben immer Angst davor, zu viele Bindestriche zu verwenden. Oder zu wenige (ich verweise hier auf meine fast schon, weil Jahre her, historische Bindestrichkolumne). Genauso wie bei der Schlagzeile, die uns der Spiegel vorige Woche anbot: „Jura-Student klagt gegen Videoaufzeichnung der Fernuni Hagen.“

Und ich so: Wer is’n jetzt diese Fernuni (mit Betonung auf dem „u“)? Wieder so eine Promischnatze, die wegen irgendwas achtelberühmt ist? Mein Gott, wie die Leute heute heißen. Dann, pling, ging mir das Licht auf: Hagen, hässlich wie die Nacht, hat aber eine Fern-Uni. Was ja Sinn hat. Wer will da schon studieren?

Ich musste mal durch Hagen, um einen lieben, alten Freund zu besuchen, der in der nahen Reha-Klinik rekonvaleszierte, und verfuhr mich so schlimm in dieser Stadt, dass ich fast nach einem Holtransporter gerufen hätte, der mich mitnehmen und zum Freunde bringen würde. Und ich sah viel Hässlichkeit. Bis heute bin ich hagenkrank.

Den Bindestrich hätten die vom Spiegel uns aber gönnen können und stattdessen, ohne Strich, „Jurastudent“ schreiben. Was man sofort kapiert hätte. Außer: Hätte es nicht „Jurastudierender“ heißen müssen? „Videoaufzeichnung“ haben sie dann wieder nicht gebindestricht (gebindestrichen?), was den schönen Effekt hat, dass darin die Vokale „eoau“ hintereinander stehen. Mir fällt sowas auf. Bekloppt, oder?

So, und um es rund zu machen und noch schnell das Corona-Log 48 zu eröffnen: Dieser pandemischen Tage dachte ich: Der Begriff „geschlossene Ortschaft“ hat durch das Virus auch eine ganz neue Bedeutung bekommen. Aber jetzt geht ja fast alles wieder auf. Und dann wieder zu, wie ich vermute. Und es geht immer und immer so weiter.

Ach, noch einen: „Die Eifel ist nicht Gran Canaria“, lautete gestern eine Überschrift bei uns, als es um die Frage ging, wann man denn wieder wenigstens draußen auf den Terrassen lungern und sich was rausbringen lassen kann. Darin steckt eine gute Nachricht: Die Eifel mag nicht Gran Canaria sein. Aber, viel wichtiger: Gran Canaria, Leute, ist nicht die Eifel.

Schluss jetzt, ich hol mir was zum Lesen. Und beende diese deutlich überladene Kolumne, bevor sie mich aus dem Schreibverkehr holen.

Et jit net jerannt.