1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Alte Griechen

Bei all dem Schrott und Dreck, mit dem die Welt uns in diesen aufgepeitschten Zeiten (obwohl: in den anderen Zeiten ja auch) bewirft, muss man dennoch immer den Blick auf das richten, was einen wieder ins Lot zu bringen vermag.

Alles andere wäre ... genau, auch so ein Schrottwort: kontraproduktiv (höre ich solche Wörter, wirken sie direkt auf mein Skrotum. Und zwar prokontraktiv).

Jedenfalls versuche ich mich gerade in eine mildere Stimmung zu versetzen, das kommt vermutlich von dem Buch, das oben auf meinem Schreibtischstapel liegt, zwecks Tiefenrecherche für einen Artikel, der vielleicht nie geschrieben wird: „Von der Schönheit des Guten“, von Ralph Waldo Emerson, dem sanftmütigen amerikanischen Philosophen. Guter Mann.

Wie auch Harald Biewer, der mal wieder aus Bickendorf am Saume der Nims nordwärts funkt, um mich zu stärken, zumal ihn, wie er sagt, „ein ungutes Gefühl, nicht zuletzt beim Betrachten der TV-Fotos des Kolumnisten“, beschleiche. Oha. Altert jetzt sogar schon mein Foto? Jedenfalls stellt Harald in seinem Schreiben einen erfreulich direkten Kausalzusammenhang her zwischen seinem Abonnentenverhalten und der Arbeit des Dorfkolumnisten, was ich meine Bosse bitte zu bedenken, wenn sie sich wieder mal fragen: Was machen wir eigentlich mit dem? Danke, Harald. Ich häng mich rein, solange ich kann und darf. Und lass mein Foto straffen.

Auch für Georg Mäschig, der aus Gerolstein schreibt, dass wir ja angeblich jetzt „im Zeitalter Anthropozän leben“. Also der Ära, in der der Mensch (= anthropos, das Wort hat einen griechischen Migrationshintergrund) der Welt seinen schäbigen Stempel aufdrückt, bzw., jetzt wieder Georg M., „das Maß aller Dinge“ sei. Wobei wir, schreibt er weiter, ja jetzt streng genommen im  Covidozän leben. „Dumm nur, dass außer mir keiner das Wort kennt, zumal es ja sogar schon einen Chronisten des Covidozän gibt.“ Und damit meint er natürlich (C-Log 49): hüstel, genau, den. Georg hat auch bei der Inzidenz nachgeschaut, woher sie kommt (von incidere, Gruß an die Latinisten!) und was der Begriff bedeutet: Da stehe zwar im Wörterbuch am Ende auch „sich ereignen“, aber die Erstbedeutung sei: „in etwas fallen“. „Demzufolge“, schließt er, „kann Inzidenz nur Reinfall heißen“. Stimmt, Schorsch. Sehen wir ja gerade wieder.

Aber wo wir schon bei den alten Griechen waren: Mein Leibarzt Alexandros (noch nicht so alt) ruft an, um mir bestgelaunt die dann doch vorerst beruhigenden Ergebnisse der Laboruntersuchungen durchzugeben, die infolge diverser Malessen jetzt einfach mal gemacht werden mussten, ich hatte natürlich wieder viel zu lange alles schleifen lassen, aus lauter Schiss. Sein Fazit: „Du wirst neunzig Jahre alt!“ Und ich so: „Au, ob das aber für die Welt jetzt wirklich gut ist?!?“ Außerdem glaub ich’s ihm nicht. Worauf er dann einschränkend durchgibt: „Gut, hundert wirste nich.“ Und sein olympisches Halbgötterlachen keckert noch durch die Leitung, als er schon längst aufgelegt hat.

Uff. Wie sagt Emerson? „Wissen ist das Gegenmittel gegen Furcht.“ Manchmal stimmt’s.

Et jit net jerannt.