1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Die Dahner Verdammnis

Der Tag war grau, der Himmel kündete vom Regen, der bald auch zuverlässig fiel. Und dennoch glitzerte mein Herz in allen Regenbogenfarben der Münchener Toleranz-Arena (und vor allem der Dasburg, das war herrlich, Leute), als ich beschwingt die Fahrt zur Redaktion in Angriff nahm.

Was heißt hier Angriff: Viel zu friedlich war ich gestimmt, als ich den Wagen lässig vom ausreichend Parkraum bietenden Platz am Impfzentrum Vulkaneifel navigierte. Alle waren nett gewesen. Alles hatte geklappt. Nennt mich den Geimpften.

Aber das wollte ich gar nicht erzählen. Sondern, erstens: Letztens kam mal wieder aus Lissendorf Ari Göbels rübergeknattert, wir saßen draußen, quasselten und freuten uns, zart hoffend, auf dereinst wieder mögliche musikalische Zusammenkünfte. Wir können zwar nicht viel (er mehr als ich), das aber mit vollem Einsatz.

Und dann erzählte er uns noch einen von Vater und, wie der Sohn, Malermeister Hein: „Weeß dou“, habe Hein gesagt, „wat mir fröher für Schulfächer hatten?“ Wusste Ari natürlich nicht. Antwort: „Religion, Rechnen, Lesen ... un Katechismus!“

Die Älteren werden jetzt reflexhaft zusammengezuckt sein, aber von noch größerer Furcht kündet Manfred Zimmer-Valentini, der in Daleiden aufwuchs und jetzt in Dreis bei Wittlich wohnt, weil er nur in Dörfern mit D leben will.

Damals, als Manfred gerade mal zehn war, schreibt er, habe man im Reli-Unterricht „natürlich ganz intensiv die Bibel“ gelesen. Und das Glaubensbekenntnis geübt. Wo es über Jesus in der älteren Fassung heißt: „... von dannen er kommen wird zu richten die Lebendigen und die Toten.“ Für Manfred war das zu viel, zumal so kurz nach der Kommunion (bzw: Komion) damals. Und vor allem: „Es war ja in unserer speziellen Situation alles viel schlimmer! Ich konnte mir unter dem ,von dannen‘ nicht irgendeinen majestätischen Ort vorstellen, entrückt und unwirklich. Nein: ,Von dannen’ hieß für mich: von Dahnen!“

Und so schoss ihm die Angst in den Leib, dass der Herr Jesus pfeilschnell von Dahnen rüberkommt, um, genau, zu richten. „Und es drohte die ewige Verdammnis.“

Doch Manfred entkam. Und aus Dahnen drohte nie Gefahr. Denn dort regiert seit Anbeginn der Zeit Ortsbürgermeister Peter Philippe, ein Mann von tiefer Eifeler Lang- und Sanftmut. Und als Ex-Chef der Rendantur Niederprüm ja fast schon sowas wie Bischof. Ich glaub, der darf sogar Sünden löschen.

So. Und jetzt lassen wir die regenbogenbunten Fahnen in Dahnen wehen, in Daleiden und Dasburg und Lissendorf, es geht nach Wembley am Dienstag. Sollten unsere die Engländer weghauen – für mich wär’s der Brexit der Herzen.

Et jit net jerannt.