1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Gespannt bis in die Resthaarspitzen

Es geht bald nicht mehr. Bei all den Krisen, Ängsten, Katastrophen – da schaust du doch nicht mehr auf die Welt. Da guckstu doch viel lieber ins Grün.

Oder, bei uns, ins Violett. Denn in den drei Lavendelbüschen vor unserem Haus geht’s wieder zur Sache, wie ja schon im vergangenen Jahr, als alles noch so friedlich war, nicht nur im Lavendel. Es flattert und zappelt wie bekloppt. Biene, Hummel, Schmetterling. Vor allem der Kleine Fuchs tummelt sich, manchmal mit 20 Kolleg*inn*en, auf den Blüten. Aber auch, ganz neu: das Taubenschwänzchen. Hektisch hummelt es hin und her, rasend schnell. Erinnert fast an einen Kolibri, denke ich. Und siehe: Kolibrischwärmer ist sein zweiter Vorname.

Das klingt jetzt, als wüsste ich Bescheid, aber ich hab nur im Internetz geguckt. Gestern meinte die Gemahlin: Wir haben einen neuen Gast. Gelb war der. Zitronenfalter? Hm. Sie internetzt ein bisschen herum und sagt, das müsse der „Schwefelgelbe Haarbüschelspanner“ sein. Supername, für so wenig Tier.

Gedankenverloren zuppele ich an meinem hinteren, stramm gespannten Coronahaarbüschel (vorne büschelt ja kaum noch was, schlimm) und frage mich, ob ich die Matte weiter wachsen lassen oder nochmal einen Friseur anhauen soll, der mir zehn Zentimeter wegsäbelt. Aber, ach: Was wird der Winter bringen? Ich bibbere schon jetzt, aus kalter Verzweiflung, wir haben ja Gas. Und bald keins mehr. Reichen da Daune und Flanell, um sich warmzuhalten? Am Ende wird man sich zusätzlich in seine Frisur einwickeln müssen, damit man nicht irgendwann steifgefroren aufgefunden wird, von Menschen, die mit Holz heizen. Oder sich Wärmepumpen leisten können. Dann doch lieber lang lassen. So Gedanken hat man heute, bescheuert.

Moment ... Frisur ... Haarbüschel ... genau: Schon fallen mir die kunstvoll gespannten, getürmten, gezopften Haarbüschel unserer Fußballerinnen ein. Endlich ein Licht in all der Finsternis! Und nein, es geht mir gar nicht um die Fußballfrauenfrisuren. Obwohl die, so viel zum rein Äußerlichen sei dann doch gesagt, erheblich besser aussehen als die Tätowierungen der Männer, die, ich zitiere mich selbst, eher an ein Hautproblem erinnern, um das sich nicht rechtzeitig gekümmert wurde.

Die Frisuren waren auch nur der Übergang zu dem, was ich – endlich kriegt diese Kolumne die Kurve und findet ihr Thema – eigentlich sagen will: Es geht um Fußball, und zwar guten! Denn unsere Frauen spielen so, wie man sich das von den Männern immer schon gewünscht hat. Die kriegen es aber nicht hin. Nicht so diszipliniert. Nicht so aufgeräumt. Nicht so abgeklärt. Nicht so dynamisch. Und vor allem nicht so: zu null.

Ich bin begeistert. Und freu mich noch ein bisschen. Wer weiß, wie lange man sich noch freuen kann.

Der Schwefelgelbe Haarbüschelspanner war dann übrigens doch kein Schwefelgelber Haarbüschelspanner. Aber der Name ist so gut, dass man ihn dreimal in einer Kolumne verwenden kann. Ach, viermal: Schwefelgelber Haarbüschelspanner, yeah!

Stattdessen war’s doch der Zitronenfalter. Da muss man aber nicht sauer sein. So, diese Kolumne ist schon längst in der Nachspielzeit, also: Versucht euch zu freuen, worüber auch immer. Wie? Weiß ich auch nicht. Immerhin: Heute spielen sie wieder.

Peace – und: Et jit net jerannt.