1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Wenn uns dann der Stoff ausgeht

Ich garantiere auch heute eine Kolumnenlieferung im vollen, vertraglich vereinbarten Umfang, auch wenn bei mir längst einige Turbinen nicht mehr unter Volllast laufen.

Das nur vorab. Jetzt aber: Ich gehe davon aus, dass Funktionskleidung sehr populär wird im Herbst. Funktion: Warmhalten. Ich sehe Scharmützel in den Warenhäusern vorher, weil wir einander die letzten verfügbaren Jacken, Pullover, langen Unterhosen etc. aus den blutigen Fingern zerren werden (ich hatte ja, als asthmatisches Kindlein, so einen Kratzwollpullunder für drunter. Mutter und Vatter – rasch die persönliche Botschaft an beide: Glückwunsch zum 85.! – nannten den „Sielewärmer“, also Seelenwärmer. Hätte ich den gut heute noch!). Ich sehe vorher, dass sie mit Stricknadeln aufeinander einstechen werden im Kampf ums letzte Wollknäuel, auch wenn daraus nur ein sehr kurzer Schal für einen sehr fimschigen Menschen wird werden können.

Ich sehe vorher, dass dann bestimmt die, die heute ihr letztes Gas, Warmwasser, ihren Sprit verballern als gäb‘s kein Morgen (wobei … ich kann das mit dem Morgen nicht garantieren angesichts der Lage), auch diejenigen sein werden, die am lautesten jaulen, dass „der Staat“ sie im Stich gelassen habe, wenn sie auf Grund gelaufen sind.

Ich sehe vorher, dass dann, wie jetzt bei der Hitze, „die Medien“ wieder schreien werden: „Deutschland hat kein Konzept ... für flächendeckende Funktionskleidungsversorgung!“ Wie Deutschland ja auch kein Konzept hat für die Corona-Bekämpfung (Huhu, Corona, du bist ja auch noch da … fast harmlos im Vergleich zu den ganzen anderen, sich immer himmelhöher türmenden Krisen. Dabei bist du gar nicht harmlos, du Sausack). Wobei man dafür ja kein Konzept braucht, sondern nur Verstand. Und gelegentlich ein Läppchen im Gesicht.

Soweit das Deutschland-Horoskop. Weiter geht’s mit Walter Bretz, der aus Bitburg schrieb. Ihr erinnert euch, Stammlesende, letztens hatte ich doch Pino zitiert („Da is‘n Fischreiher. Der reihert Fische.“). „Die Richtigkeit der Aussage Ihres Enkels Pino kann ich nur bestätigen“, meldet Walter. Und schickt Beweisfotos, die er an der Kyll zwischen Philippsweiler und Kordel gemacht hat. Was sieht man da? Ein Häuflein hingereiherter Fische am Saum des großen Eifelflusses. Mit Verdauungsspuren (ich lass die Fotos hier lieber weg. Aber es ist nun einmal Natur. Und die ist nicht immer nur schön. Sondern: Gemetzel, von früh bis spät).

Danke! Der Junge wird sich freuen! Wie ich mich über die Schmetterlingsnamen, die Blums Herbert aus Ormont schickt, zu unserer Vorwochenkolumne, da hatte ich es ja mit dem Schwefelgelben Haarbüschelspanner. Herbert hat ja Ahnung von Faltern. Und sendet eine ganze Latte weiterer Top-Namen: Bibernell-Berghaarstrang-Blütenspanner. Trinkerin (hm). Wollafter (hmhm). Goldafter (hmhmhm). Mein Favorit aber wäre auch ein Spitzenschimpfwort für die selbstbesoffenen Breitbeiner, die einem immer so – und gerade jetzt – auf die Nüsse gehen. Und zwar: Großer Sackträger. Passt, Herbert. Peace, Leute. Et jit net jerannt.

PS: Die Fußballfrauen, wieder zu Null. Das letzte Wort aber hat Uwe Seeler: „Ich entscheide die großen Dinge und meine Frau die kleinen. Welche Dinge groß und welche klein sind, entscheidet meine Frau.“ Danke, Uwe, für alles.