1. Meinung

Kolumne Eifel-Einsichten

Kolumne Eifel-Einsichten : Eifeler Routen- und Rottenkunde

Bei all dem Jammer in diesen beknackten Zeiten: Über eines kann ich nicht klagen, nämlich über Mangel an Kritik aus der Leserschaft.

Zum Beispiel zur Kolumne von vorigem Samstag: Kaum erschienen, hagelt es schon Rüffel. Gut, es hagelte exakt einen, allerdings einen von Gewicht, kam er doch von einem gewissen Damian S., einem Rentner aus R., von dem ich das aber gewohnt bin, war er doch mal bei einer Zeitung namens V., Vorname T., der stv. Chefred., und Rüffeln sein täglich Steckenpferd (ach, schön war die Zeit, Chef. Schnief).

Weil: Man könne nicht, herrscht mein Altboss mich zärtlich an, an der Kyll von Kordel nach Philippsweiler wandern. Sondern nur bis nach Philippsheim.

Ich widerspreche in aller charakterlich bedingten Renitenz: Natürlich kann man von Kordel nach Philippsweiler wandern, sogar an der Kyll entlang. Jedenfalls ein Stück. So bis, äh ... Philippsheim. Und dann einfach nach links rüber, über Hüttingen und Bitburg und an Wißmannsdorf vorbei und durch Altscheid … und Zack, biste schon in Philippsweiler. Ganz einfach! (Philippsweiler ist übrigens ein Ortsteil von Oberpierscheid. Und ein Weiler, sagt das Internetz, „ist kleiner als ein Dorf, aber kompakter als eine Rotte und größer als eine Einzelsiedlung“. Rotte? Jo. Gibt’s nicht nur bei Wildsäuen. Nennt man so, wenn die Häuser nicht beieinander stehen. Sonst: Weiler. Wusste ich auch nicht. Ist dann eine Mischung aus Rotte und Weiler ein ... Rottweiler?)

So, geklärt. Außerdem: Es hagelte nicht nur Kritik, es tröpfelte auch Lob durch die Leitung, von Karl Josef Schleidweiler. Der haust in Plein („und das gern“). Das Lob übergehe ich hier dankend (Nimm dir ein Beispiel, D.S., nein: Hol dir ein Beispiel!), viel wichtiger ist, angesichts der Lage, sein ergänzender Hinweis: „Ich friere derzeit Hitze ein, die wird im Winter aufgetaut . . .“ In Plein, kombiniere ich, wissen die mehr als im Rest der Welt. Karl Josef, Energieschamane. Plein, Pilgerziel!

Die Fußballerinnen! Yay! Streng genommen haben sie ja auch im Halbfinale gegen Frankreich zu Null gespielt, denn damit bei Torhüterin Merle Frohms überhaupt einer ins Netz gehen konnte, musste sie den schon selber reinmachen. Das war aber kein Torwartinnenfehler (das heißt wirklich so, nicht nachgucken. Günter Netzer hätte allerdings gesagt: Torwächterinnenfehler), sondern einfach nur blöde Physik und tut überhaupt nichts zur bewundernswert großartigen Gesamtsache.

Ich schwärme hemmungslos weiter, denn sie lassen sich und einander nicht hängen, stehen kompakter als jede Rotte, sie spielen schlau, sie halten zusammen, und dann hauen sie die Dinger rein. Popp, plopp, drin. Holen wir uns an ihnen ein Beispiel! Und morgen Finale. Wembley. Größer geht’s nicht. Gut, gegen die Engländerinnen und ein ganzes Stadion, der Sieg scheint unmöglich.

Wobei: Bei mir haben sie allein schon deshalb alles gewonnen, weil sie keinen dummen Käu reden, obwohl ihnen tapsige Reporterherrschaften fremdschamtreibende, onkelhafte Fragen stellen. Nö, selbst da bleiben sie lässig und sagen, was Sache ist.

Wer weiß. Ich traue ihnen alles zu. Vielleicht ist ja doch was drin. Und wenn nicht, fühl ich mich trotzdem als Europameisterin.

Et jit net jerannt.