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Stabile Lage, schwierige Aufgaben: das Jahr der Raiffeisenbank Westeifel

Banken : Raiffeisenbank Westeifel: Die Solisten bleiben auf eigenem Kurs

Der neue Vorstand der Raiffeisenbank Westeifel steht, die Zahlen sind verbessert, aber ein paar Probleme beschäftigen die Genossenschaftler doch nachhaltig. Und vom F-Wort wollen sie weiter nichts hören.

Klaus Peters winkt schon beinah ab, bevor die Frage kommt, wir stellen sie jedes Jahr: So als kleinstes aller Eifeler Geldinstitute, wollt ihr da wirklich weiterhin alleine bleiben? Nicht in einen größeren Verbund fusionieren, sondern solo weitermachen mit eurer Bank?

Die Antwort, wie jedes Jahr: „Ja, sie bleibt solo“, sagt Peters, noch bis Ende September Vorstand der Raiffeisenbank Westeifel. „Das ist nach wie vor unsere erklärte Zielsetzung.“

Das wäre also aus dem Weg geräumt, zumal man als kleiner Spieler ja durchaus Vorteile hat. Eine solche Bank, sagt Peters, „ist viel näher an ihren Kunden. Und die kommen noch zum Bereichsleiter oder zum Vorstand durch. Das zeichnet uns ja aus: dass wir die Leute kennen, die Region und ihre besonderen Herausforderungen.“

Und doch: Es wird immer schwerer. Das liege, sagt er, vor allem an der Regulatorik: Die nämlich verlange „immer mehr Sonderbeauftragte für Datenschutz, Nachhaltigkeit, Wertpapiergeschäft, Informationssicherheit, Arbeitssicherheit – und und und.“

Ein großes Haus könne das alles noch selbst übernehmen. Ein kleines aber müsse auf Dienstleister zurückgreifen. Und denen dann dennoch „Bezugspersonen“ zur Seite stellen. „Irgendwann hat aber die Bank dafür keine geeigneten Mitarbeiter mehr, die diese Aufgaben übernehmen können. Das ist bei größeren Banken einfacher.“

Okay. Einigen wir uns darauf, dass die F-Frage dann im nächsten Jahr in die Wiedervorlage geht.

Thema Fachkräfte: immer schwerer zu finden, sagt Peters. Noch so eine Herausforderung. Die aber, die schon da sind, leisten gute Arbeit – das betonen Peters und Co-Chef Manfred Heinisch (seit einem Jahr) auch bei der Generalversammlung im Schönecker Forum, wo sie den Mitgliedern auch den künftigen Vorstand Jan Brandenburg aus Kronenburg, vorstellen, der zum 1. Juli beginnt und dann noch drei Monate mit seinem Vorgänger zusammen arbeiten wird (der TV berichtete).

Derzeit arbeiten 107 Menschen, neun davon in Ausbildung, bei den Eifeler Genossenschaftlern. Sie betreuen immerhin 52.600 Kundenkonten. Nach so wenig klingt das gar nicht. Das gilt auch für die anderen Zahlen: Noch einmal ein paar Mitglieder mehr verzeichnet die Bank, exakt 11.001 sind es aktuell (im Vorjahr: 10.989). Auch die Bilanzsumme – Wertpapiere, Kassenbestand, Kreditforderungen, Gebäude, Geld auf den Kundenkonten –  ist gewachsen, um 35,7 Millionen Euro auf 535 Millionen. Ein Wachstum um 7,2 Prozent und sogar ein bisschen höher als im Bundesdurchschnitt (6,5 Prozent). Das liegt daran, dass die Kunden mehr Geld eingezahlt und mehr Kredite aufgenommen haben.

Die Kundeneinlagen – also das, was auf die Konten geht – wuchsen sogar um 9,3 Prozent, deutlich mehr als im Bundesschnitt (5,4 Prozent).

Zwar hat die Bank, wie ebenfalls berichtet, vor zwei Monaten die Schalter in ihrer Pronsfelder Filiale (eine von fünf) geschlossen – allerdings nicht die Büros: Dort sollen noch weitere Berater ihre Dienstsitze bekommen, Kunden treffen oder zu ihnen hinausfahren.

Heinisch geht auch auf die Entwicklung bei den Zinsen ein: Zwar sei der Satz bei der Baufinanzierung von einem auf drei Prozent gestiegen. Allerdings zahle man jetzt auch „endlich noch mal Habenzinsen auf Ihr Erspartes“, sagt er. Gut für Festgeldanlagen, Sparbücher und ähnliche Produkte.

In Schönecken werden zwei Positionen neu besetzt: Aufgrund Erreichens der Altersgrenze scheidet Klaus Weinand (Bleialf) aus dem Aufsichtsrat aus, für ihn rückt sein Sohn Jörg nach. Martin Weinbrenner aus Prüm war turnusgemäß ausgeschieden und wurde erneut ins Gremium gewählt.

Werner Aßmann, Geschäftsführer der Raiffeisen-Waren GmbH, berichtete in Schönecken über ein „ausgezeichnetes Ergebnis in allen Sparten“, trotz Widrigkeiten wie Corona-Krise und Flutkatastrophe. Vor allem beim Verkauf von Bau- und Brennstoffen schnitt die Gesellschaft im vergangenen Jahr besonders gut ab.

Den 26 Musikvereinen aus dem Geschäftsgebiet spenden die Bankiers dieses Jahr die Gesamtsumme von 20.000 Euro. Den Mitgliedern zahlt die Bank eine Dividende in Höhe von zwei Prozent – knapp 200.000 Euro insgesamt.