Meinung: Ein notwendiger Hilferuf

Meinung : Ein notwendiger Hilferuf

Der Protestaufruf des Chefs des Trierer Bezirksärztekammer ist drastisch: In letzter Konsequenz heißt das, alle niedergelassenen Ärzte, die sich daran beteiligen und ihre Kassenzulassung zurückgeben würden, dürften keine gesetzlich versicherten Patienten mehr behandeln.

Wenn diese dann zum Arzt gehen, müssten sie die Behandlung aus eigener Tasche bezahlen.

So weit wird es nicht kommen. Zum einen, weil sich vermutlich nur wenige Ärzte finden werden, die dem Aufruf folgen werden. Denn immerhin verdienen die niedergelassenen Mediziner den überwiegenden Teil ihres Einkommens mit den Kassenpatienten – und freiwillig ihre Existenz aufs Spiel setzen dürften daher die wenigsten.

Und zum anderen, weil ein solcher kollektiver Zulassungsverzicht gesetzlich verboten ist.

Bezirksärztechef Gradel weiß das. Er will mit seinem Aufruf daher in erster Linie eine Diskussion anstoßen und auf die immer schwieriger werdenden Rahmenbedingungen für Haus- und Fachärzte aufmerksam machen. Sie sind sauer auf die Kassen, die ihnen vorschreiben, was sie verdienen dürfen – und sie dafür bestrafen, wenn sie die ihnen zustehenden Budgets überschreiten.

Gradel hat recht: Unter diesen Bedingungen finden sich immer weniger junge Ärzte  bereit, in einem Eifelort oder irgendwo an der Mosel eine Praxis zu übernehmen – und das womöglich als einziger Arzt in der Umgebung. Anders als die kurz vor der Rente stehenden Mediziner, die quasi rund um die Uhr, auch am Wochenende,  für ihre Patienten da sind, legen viele junge Ärzte heute mehr Wert auf geregelte Arbeitszeiten und Freizeit. Was ja auch verständlich ist.

Genau darauf müssen Kassen und Politik eine Antwort finden. Und daher ist der Protestaufruf, der womöglich folgenlos verhallen wird, ein notwendiger Hilferuf.

b.wientjes@volksfreund.de