Ett haott sisch scho maol aanen duudgestöögt

Plattkolumne : Ett haott sisch scho maol aanen duudgestöögt

Diesmal geht es um eine Geheimsprache, die untergeht. Bis in die siebziger Jahre konnte man sie noch täglich hören, wenn man nur ein Wirtshaus betrat. Daß man vierzig Jahre später ganz selten noch auf einen gequälten Ausruf wie: „Ett haott sisch scho maol aanen duudgestöögt!

“ trifft, hat damit zu tun, dass es immer weniger Gasthäuser und immer weniger Kartenspieler gibt. Kartenspiele in der Kneipe -vor allem das Skatspiel- und überhaupt die Tatsache, dass sich die Menschen, meist Männer, zum abendlichen Zeitvertreib in der Weerdschaft (Wirtshaus) treffen, hörte mit der Verbreitung des Fernsehens nach und nach auf.  Und damit verschwanden allmählich auch Schätze an mundartlichen Begriffen und Redensarten, die man an den Kartentischen hörte.

Meistens wurde Skat gespielt, gelegentlich auch Härzbleedschi (Herzblättchen), Säksesäschzisch (Sechsundsechzig) oder Stibbi (nicht zu übersetzen), und ganz heimlich wurde auch schon mal gepokert. Das oben genannte Zitat richtet sich an einen Kartengeber, bei dem das Mischen der Karten allzu gründlich vor sich geht: Es hat sich schon mal jemand zu Tode gemischt! (stöggen = den Kartenstoß/Stock mischen).

Bei den bekannten Farben des (französischen) Kartenspiels sagt man im Trierischen Eckstein statt Karo und Schöbben (da steckt das Wort Schöbb/Schippe drin) statt Pik. Die Buben heißen Bauern oder Jongen (Jungen), und der höchste Skat-Trumpf, der Kreuz Bube ist dän Aalen (der Alte). Eich hann dän Aalen unn dän Eckstein Jong! (Ich habe den Kreuz- und den Karo-Bauern). Wenn jemand ein hundertprozentig unverlierbares Spiel hat, wird er verulkt: Datt Spill lao gewinnt gewönnt mein Uma! (Dieses Spiel gewinnt sogar meine Großmutter). Unverlierbare Spiele, wenn man also de Grab voll haott (die Hand voller guter Karten hat) werden daher auch kurz einfach Uuma genannt. Und wenn der so mit guten Karten Gesegnete seine Gegner demoralisieren will, schlägt er ihnen vor: „Schreift haam fir Geld!“ (Schreibt nach Hause und bittet um Geld). Unerfahrene und laienhafte Spieler werden von Könnern schon einmal als Döbbschesspöller bezeichnet, und wenn sich so einer mit gerissenen Leuten an einen Tisch setzt, muss er sich nicht wundern, wenn er eine Menge Geld verliert. Da ist auch der Vorwurf eines Vaters zu verstehen, der seinem Sohn, dem es so erging, sagt: “Wie kannsde och mött Leit Kaord spöllen, wu mött dir Kaord spöllen!“

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