1. Meinung

Kino: Ein Ganovenstück oder die Neuerfindung des Western

Kino : Ein Ganovenstück oder die Neuerfindung des Western

Den Mut muss man als Regisseur haben: Zehn Minuten und 40 Sekunden wird zu Beginn des Films „Zwei glorrreiche Halunken“ kein Wort gesprochen. Sergio Leone zeigt trostlose, fast verlassene Dörfer und Großaufnahmen im Wechsel.

Getragen werden diese Sequenzen allein von Ennio Morricones Fimmusik. Lachende Hyänen, schreiende Geier und pfeifender Wind unterstreichen die Trostlosigkeit im Westen während des amerikanischen Sezessionskriegs.

Im Original heißt der Film „The Good, the Bad and the Ugly“, was mehr über den Film verrät als der deutsche Titel. Denn am Ende ist es ein Trio, dass einen Goldschatz jagt – tatsächlich ist es die Regimentskasse der Südstaatenarmee, die der Soldat Jackson gestohlen und auf einem Friedhof versteckt hat.

„The Ugly“, gespielt von Eli Wallach, der mit Clark Gable und Marylin Monroe in dem Western „Misfits – nichtgesellschaftsfähig“ vor der Kamera stand, ist der mexikanische Ganove Tuco. Gemeinsam mit „The Good“, eine der Paraderollen von Clint Eastwood, bildet er oft ein Team. Tuco lässt sich aufknüpfen und wird in letzter Sekunde vom „Blonden“ – so wird er von Tuco genannt – befreit, indem er den Strick durchschießt. Der Kopfgeldjäger Sentenza klemmt sich als „The Bad“ an die Fersen von Soldat Jackson und heuert als Offizier in der Nordstaaten-Armee an.

Verkörpert wird Sentenza von Lee Van Cleef, der in den 1960er Jahren in den Italowestern auf diese Rolle spezialisiert war und der zugleich Vorbild für die Figur „Eliot Belt“ im 1972 von Morris und Réné Goscinny veröffentlichten Lucky-Luke-Band „Der Kopfgeldjäger“ war.

Auf der Suche nach dem Schatz werden Tuco und der „Blonde“ von Sentenzas Einheit gefangen genommen. Der Kopfgeldjäger kommt dahinter, dass die „zwei glorreichen Halunken“ den Ort kennen, an dem das Geld vergraben ist. Aber trotz Folter verraten sie das Versteck nicht. Jeder der drei Antihelden kennt nur Teile des Rätsels. Schließlich kommt es in Form eines „Mexican Standoff“ (mit dem amerikanischen Slangausdruck werden Pattsituationen beschrieben, aus denen niemand als Sieger hervorgehen kann) auf dem Friedhof zu einem epischen Showdown – für viele Filmkritiker eines der elektrisierendsten Enden der Filmgeschichte.

Sergio Leone revolutioniert als Regisseur das Genre „Western“. Er löst das Ideal der edlen Cowboys auf, die – wie Gary Cooper in seiner Rolle als Marshall Kane in „High Noon“ – für die gerechte Sache kämpfen. Stattdessen zeigt er ungeschminkt die Grausamkeit und die Brutalität des „Wilden Westens“. Dabei setzt er neben einer ausgefeilten Kameratechnik auf einen Sound, der immer zu seinen Bildern passt.

Alexander Schumitz

Der Film kann über mehrere Anbieter gestreamt werden, zum Beispiel über den Anbieter MGM. Es gibt aber auch verschiedene Filmfassungen als DVD.