1. Meinung

Kino: Erinnerungen an eine ferne Zeit

Kino : Erinnerungen an eine ferne Zeit

Man nehme: Auberginen, Zwiebeln, Zucchini, Tomaten, Paprikaschoten und Knoblauch, alles in kleine Stücke geschnitten, die man zunächst einzeln in Olivenöl schmort und nach und nach zusammenfügt. Und fertig ist der geschmorte Gemüseeintopf, der aus der französischen Alltagsküche kaum wegzudenken ist.

Wahrscheinlich gibt es für das perfekte Ratatouille so viele Rezepte, wie es Großmütter in Frankreich gibt.

Skinner ist Küchenchef des Nobelrestaurants Gusteau (übrigens ein Anagramm zu Auguste, dem Vornamen des früheren Restaurantchefs Gusteau) in Paris. Allerdings mit sinkendem Stern, denn in der Küche herrscht der Kasernenton vor. Der erinnert in dem Film „Ratatouille“ manchmal an das Kochduell „Kitchen Impossible“ mit Tim Mälzer, der – Fun fact am Rande – im Film die deutsche Stimme des vorbestraften Souschefs Horst ist.

Alfredo Linguini arbeitet als „Mädchen für Alles“ in dem einstigen Nobeltempel. Fürs Kochen zeigt er jedoch wenig Talent. Das ändert sich, als er Remy kennenlernt. Remy ist eine Ratte, die grandiose Rezepte zusammenzaubert und sich mit Linguini anfreundet. Mit einer Suppe gewinnen sie bald die Herzen der ersten Kritiker. Aber weil Ratten in Restaurants nun mal nichts verloren haben, bleibt ihre Kooperation zunächst geheim.

Was Linguini von Remy nicht lernt, bringt ihm Colette bei. Brad Bird, der Regisseur des Oscar-prämierten Zeichentrickfilms, hat ihre Rolle als Bratenchef*in – „Remy, siehst du hier, außer mir, eine andere Frau im Küchenteam?“ – angelehnt an Hélène Darroze, Chefin von drei Zwei-Sterne-Restaurants in Paris, London und Moskau.

Linguinis Stern droht so schnell zu sinken, wie er aufgestiegen ist, als Anton Ego, im Original gesprochen von Peter O’Toole – bis heute mit sieben Oscar-Nominierungen der am häufigsten vorgeschlagene männliche Hauptdarsteller, ohne dass er für seine Rollen jedoch je einen Oscar bekommen hätte (außer dem für sein Lebeswerk im Jahr 2002) – sein Kommen ankündigt. Als dann Linguini offenbart, dass er nur deshalb ein so begnadeter Koch sei, weil Remy ihm helfe, meutert sein Küchenteam und macht sich aus dem Staub.

Ein gelungenes Ratatouille weckt, wenn es schmeckt, Erinnerungen an die letzte Fahrt in die Provence oder an die Kindheit. Brad Birds Zeichentrickfilm lässt einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Mit Charme, Witz und einer guten Prise Humor rechnet er mit Karrieristen, Marketingmanagern und Bürokraten ab. Und am Ende gewinnt das Herz. Guten Appetit! Alexander Schumitz

„Ratatouille“ kann man auf vielen der gängigen Streamingplattformen schauen. Es gibt ihn zum Beispiel auch als DVD.