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Film Ab – Die Kinokolumne: „The Artist“

Film Ab – Die Kinokolumne: „The Artist“

Sagen Sie jetzt nichts. Als die bewegten Bilder sprechen lernten, beklagten nicht wenige Kritiker den Untergang einer Kunstform, die ganz ohne Worte bereits eine universale Sprache gefunden hatte. Schließlich kam ein gelungener Stummfilm wie etwa Friedrich Wilhelm Murnaus „Der letzte Mann“ ohne jeden Zwischentitel aus, war lediglich durch Mimik und Gestik der Schauspieler über Ländergrenzen hinweg verständlich. Als die bewegten Bilder sprechen lernten, beklagten nicht wenige Kritiker den Untergang einer Kunstform, die ganz ohne Worte bereits eine universale Sprache gefunden hatte. Schließlich kam ein gelungener Stummfilm wie etwa Friedrich Wilhelm Murnaus „Der letzte Mann“ ohne jeden Zwischentitel aus, war lediglich durch Mimik und Gestik der Schauspieler über Ländergrenzen hinweg verständlich.

Wie recht die Kritiker mit ihrer Klage behalten sollten, zeigt Michel Hazanavicius' "The Artist". Die belgisch-französische Koproduktion, die am Dienstag für zehn Oscars nominiert wurde, sorgt weltweit für Furore - und dass, obwohl oder gerade weil darin nur ein einziger Satz gesprochen wird.

Schauspieler George Valentin (Jean Dujardin) ist ein Kassenmagnet. In seinen Stummfilmen wie im Privatleben weiß er sein Publikum mit nur wenigen Gesten, einem Lächeln oder einem Augenzwinkern für sich einzunehmen. Als 1927 der Ton in den Kinosälen Einzug hält, geht es mit seiner Karriere jedoch steil bergab. Während seine Kollegin Peppy Miller (Bérénice Bejo) zum Star aufsteigt, verweigert sich Valentin dem neuen Medium. Jedoch keineswegs, weil seine Stimme nicht fürs Kino geeignet wäre. Der Star ist schlicht zu stolz, den Umbruch zu akzeptieren. Stur hält er am Stummfilm als überlegener Kunstform fest, steckt sein ganzes Vermögen in seinen nächsten Streifen und verliert alles.

Michel Hazanavicius bringt seine Geschichte vom Aufstieg und Fall zweier Schauspieler mit viel Liebe zum Detail und zur Filmgeschichte auf die Leinwand. Vom wundervoll gefilmten Schwarz-Weiß über die Ausstattung bis hin zum original Stummfilmformat ist "The Artist" perfekt in Szene gesetzt. Die Sequenz, in der Bérénice Bejo als Peppy Miller verliebt mit George Valentins Anzug tanzt, lohnt bereits alleine den Kinobesuch.

Was den Film jedoch über eine bloße Hommage hinaushebt, ist die Reflexion, die er auf das Medium selbst wirft. Es ist kein Zufall, dass ein zutiefst nostalgischer Film zehn Oscar-Nominierungen erhalten hat. Schließlich hat Nostalgie immer in Zeiten des Umbruchs Hochkonjunktur. Mehr Nominierungen als "The Artist" hat nur "Hugo Cabret" erhalten, Martin Scorseses erster Film in 3D.

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