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Vorhersehbares Familienkino: Ein Kinderfilm, der gern mehr sein will

Vorhersehbares Familienkino: Ein Kinderfilm, der gern mehr sein will

Ach, der Film hat so vielversprechend begonnen. Die böse Königin (Julia Roberts) will die wirklich wahre Geschichte über das olle Schneewittchen erzählen, das einfach nur nervt mit seiner dusseligen Schönheit. Aus der Perspektive der bösen Königin hätte die Geschichte einen völlig neuen Dreh bekommen können.

Doch Regisseur Tarsem Singh kann sich nicht entscheiden - zwischen kitschig-bunter und dunkel-böser Atmosphäre, zwischen zynisch-amüsanter Sicht der Königin oder rührig-zucker?süßem Blickwinkel des Schneewittchens. Letztendlich schlägt er sich auf die Seite von Schneewittchen, die völlig unbedarft mit hübschem Kleidchen durch ihr Leben wandelt, nie ihr Schicksal infrage stellt und noch nie den Palast verlassen hat. An ihrem 18. Geburtstag geht sie verbotenerweise doch in die Stadt und sieht das Elend dort. Natürlich ist sie schockiert und mutiert plötzlich zur Kämpferin.

In der Zwischenzeit spricht die Königin mit ihrem Spiegel, die junge Konkurrentin ist schöner als sie. Warum sie durch einen Spiegel, der ins Wasser führt, in einer Parallelwelt auftaucht, um mit ihrem Spiegelbild zu sprechen, weiß man nicht genau. Natürlich soll Schneewittchen im Wald sterben, erfährt Gnade und trifft eine Bande diebischer Zwerge. Spätestens hier wird klar: Das ist ein Kinderfilm. Irgendwie traut sich Singh nicht, der Geschichte durch knackig bissige Witze mehr Pep zu geben.

Die Apfelszene gibt es nicht, der Prinz ist einfach nur Zankapfel zwischen den beiden Frauen. Weiß der Geier warum, lauert im Wald eine Bestie, die aussieht wie die niedliche kleine Schwester von Fuchur, dem Drachen aus "Die unendliche Geschichte", und die sich als Schneewittchens verzauberter Vater entpuppt.

Fazit: Vorhersehbar, wenig tiefsinnig, aber kindgerecht serviert - ein Familienevent.

Der Film läuft in den Kinos in Trier und Bitburg.

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