1. Meinung

Fortbildung ist nicht nur Sache der Firma

Fortbildung ist nicht nur Sache der Firma

Ein Fremdwort mit elf Buchstaben? Fortbildung. Von zehn Mitarbeitern zwischen 25 und 64 Jahren kommen jährlich nur vier in den Genuss einer Fortbildung.

Aber noch ist Deutschland nicht verloren, denn die Bundesregierung hat ein kühnes Ziel entwickelt: Bis zum Jahr 2015 sollen - halten Sie sich fest! - fünf von zehn Mitarbeitern ihren Fortbildungshunger stillen dürfen. Ein Witz, über den man am lautesten in Skandinavien lacht, wo sich heute schon acht von zehn Mitarbeitern dienstlich weiterbilden.

Warum geizen die Firmen mit Fortbildungen? Sie hören vor allem den ersten Teil des Wortes - der Mitarbeiter ist fort (statt zu arbeiten). Und wozu soll er Wissen anhäufen, wenn seine Arbeit ja doch nur aus stupidem Produzieren besteht?

Hinzu kommt die Sorge: Mit dem Rückenwind einer Fortbildung könnte der Mitarbeiter zu einem neuen Arbeitgeber flattern. Diese Befürchtung hegen nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Forrest Research 62 Prozent der deutschen Chefs.

Zum Vergleich: In Frankreich sind es nur neun Prozent. Bildung ist kein Möbelstück, das die Firma kaufen und bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag für sich beanspruchen kann; Bildung bleibt nur jenem Mitarbeiter erhalten, der sie sich erwirbt. Ihren Arbeitsplatz, Ihr Gehalt, Ihr Büro - all das kann Ihnen eine Kündigung entreißen. Ihre Bildung nicht. Sie ist der Schlüssel, der die Türen neuer Arbeitgeber oder auch das Tor einer Selbstständigkeit für Sie öffnet.

Darum ist Fortbildung nicht in erster Linie Sache der Firma - sondern Ihre eigene. Suchen Sie Themen aus, die zwar im Unternehmen gefragt, aber auch anderswo hoch im Kurs stehen, etwa Kommunikation, Moderation und Projektmanagement! Dann springt die Firma oft als Sponsor ein. Aber auch Fortbildungen, Coachings und Karriereberatungen auf eigene Rechnung können eine exzellente Investition sein.

Unser Kolumnist Martin Wehrle (geboren 1970) gehört zu den erfolgreichsten Karriereberatern in Deutschland. Sein aktuelles Buch: "Ich arbeite immer noch in einem Irrenhaus", Econ, 14,99 Euro.