Frauen weiter unerwünscht - die Entmutigungskultur der Spitzenmanager

Frauen weiter unerwünscht - die Entmutigungskultur der Spitzenmanager

Man kann Frauen gar nicht hoch genug überschätzen, hat Karl Kraus Anfang des vorigen Jahrhunderts in bekannter Spitzfindigkeit formuliert. Deutsche Konzernlenker scheinen sich für Literatur wenig zu interessieren.

Seit zehn Jahren schauen wir uns das Trauerspiel nun an. So lange ist es her, dass die Wirtschaft sich selbst in die Pflicht nahm, Spitzenämter auch Frauen anzubieten. Getan hat sich bis heute so gut wie nichts. So sind beispielsweise von 190 Vorstandsmitgliedern in börsenorientierten Unternehmen gerade einmal sieben Frauen. Auch in Aufsichtsräten herrscht nach wie vor ein extremes Ungleichgewicht. Das Topmanagment kapselt sich weiter erfolgreich gegen weibliche Einflüsse ab. Wirklich empörend aber ist, mit welch fadenscheinigen Begründungen sich Frauenministerin Kristina Schröder diese Woche beim Gipfel zur Frauenquote von Wirtschaftsbossen einseifen ließ.

Dieselben Männerclubs, die es sich verbitten, dass der Staat über eine gesetzliche Frauenquote in die Geschäftspolitik von Firmen eingreift, hatten während der Finanzkrise durchaus nichts gegen eine staatliche Einmischung einzuwenden, sei es durch Bankenrettungsschirme, sei es durch Förderung von Kurzarbeit.

Dieselben Manager, die Wettbewerb, Eigenverantwortung und Leistung im Munde führen, pflegen weiterhin eine Entmutigungskultur, indem sie qualifizierte Bewerberinnen erst gar nicht ins Auge fassen und ihr Spitzenpersonal fast ausschließlich aus dem Talentpool der männlichen Bevölkerung schöpfen.

Dabei ist längst bekannt, dass Frauen heute im Durchschnitt besser ausgebildet sind als Männer und auch mehr Hochschulabschlüsse erzielen. Sie haben gar keinen Frauenbonus nötig, sie brauchen lediglich gleiche Bedingungen.
Es ist ebenfalls keine Neuigkeit und durch seriöse Studien belegt, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil an der Spitze im Vergleich bessere Ergebnisse erzielen.
Die extreme männliche Vorherrschaft hat also rein gar nichts mit Potenzial und Fähigkeiten zu tun, sondern bestenfalls mit der Verteidigung von Pfründen und mit einem tiefen Misstrauen gegenüber weiblichen Führungsqualitäten. Möglicherweise steht dahinter auch die Angst, sich dem Vergleich stellen zu müssen.

Den Vogel beim Streit um die Frauenquote hat diese Woche Daimler-Chef Dieter Zetsche abgeschossen. Er sorgte sich darum, wohin er denn all die Männer aussortieren solle und hat damit nur bewiesen, dass er ohne Impulse von außen nicht in der Lage ist, Strukturen zu verändern. Immerhin hatte der Konzern zehn Jahre lang Zeit dazu. Vielleicht wollte er aber auch lediglich sagen, wie wenig offenbar das Wort von Wirtschaftsführern gilt.

In Norwegen hat sich die Quote längst bewährt. Es war der konservative Industrie- und Handelsminister Ansgar Gabrielsen, der sie als erster in Europa im Jahre 2003 gegen heftige Proteste aus der Unternehmerschaft durchboxte. Die Wirtschaft Norwegens wächst stabil - und die Geburtenrate, die weit über dem deutschen Schnitt liegt, auch. Also noch ein Argument weniger gegen Frauenpower in Führungsetagen.

Dass dazu tatsächlich eine Quote nötig ist, ist traurig genug. Aber wenn das deutsche Topmanagement in Erstarrung verharrt, braucht es eine Bewegungshilfe.
Und am Beispiel der Ministerin, die sich nicht durchzugreifen traut, sehen wir, dass auch weibliche Spitzenkräfte manchmal eine Fehlbesetzung sind. Isabell Funk, Chefredakteurin