1. Meinung

Geschichten für den Hinterkopf

Geschichten für den Hinterkopf

Es gibt ein Ereignis im Veranstaltungskalender, auf das sich fast alle Journalisten der Landespolitik freuen: das Martinsgansessen der CDU-Landtagsfraktion.

Alle Jahre wieder kommt am gleichen Ort zur gleichen Zeit die Gans auf den Teller, gereicht mit Knödeln, Apfelrotkohl und Maronen. Suppe und Dessert runden das Menü ab. CDU-Chefin Julia Klöckner, für ihre Innovationsfreude bekannt, hat nach eigenem Bekunden überlegt, ob sie alte Zöpfe abschneiden und mal an einen anderen Ort ausweichen soll. Doch mit Traditionen bricht man nicht. Durch das wie gewohnt volle Haus darf sich die Union bestätigt fühlen. Bei solchen Gelegenheiten werden viele Gespräche geführt, und der neugierige Korrespondent erfährt allerlei. Etwa, dass Fraktionsvize Christian Baldauf einen Halbmarathon plant oder wie es Referent Helmut Klapheck mit seinem unverkennbaren Ruhrgebietsslang nach Mainz verschlug, wo er alsbald Bekanntschaft mit dem unnachgiebigen ehemaligen Finanzstaatssekretär Thilo Sarrazin machte. Nur ein Bruchteil dessen, was man an solchen Abenden hört, taucht in der Berichterstattung wieder auf. Aber alle diese Geschichten tragen zum Hintergrundwissen bei, das man für "richtige" Storys braucht.