Glaube im Alltag: A u f b r e c h e n

Glaube im Alltag : A u f b r e c h e n

Urlaubszeit – aufbrechen, raus aus dem Alltag, Entspannung finden und Neues entdecken. Aufbrechen hat zu tun mit Loslassen, sich auf Neues einlassen, begleitet von Neugier und froher Erwartung. Aufbrechen ist auch ein Thema, das uns derzeit in der Kirche bewegt, aufbrechen in eine zukunftsorientierte Kirche.

In sechs Monaten soll es konkret werden, doch von lebendiger Aufbruchstimmung und neugieriger Erwartung ist nicht viel zu spüren, eher von Ängsten und Zweifeln.

Das erinnert mich an die Parabel, wo ein Mann bei unwirtlichem Wetter sein Reiseziel erreicht und vor sich hin murmelt: „Eigentlich sollte ich aussteigen.“ „Und warum tun Sie’s nicht?“ „Hier ist es so wohlig warm.“ Genau das trifft die derzeitige Lage in der Kirche. Eigentlich sollte man aus manch liebgewonnener Gewohnheit aussteigen, doch es fällt schwer, sich auf Neues einzulassen, ohne zu wissen, wo es hinführt. Aber Leben ist nun mal der Veränderung unterworfen und auf Weiterentwicklung angelegt. Sonst erstarrt es. Auch in der Kirche.

Bischof Spital sagte einmal: Viele sind bereit, ihre Freiheit gegen eine scheinbare Sicherheit zu verkaufen.“ Es ist nun mal nicht leicht, sich immer wieder neu in Eigenverantwortung vor Gott zu entscheiden- als mündiger Christ, wie auch als Amtskirche, die der Tradition sehr verhaftet ist und sich schwer tut mit Öffnung und Weiterentwicklung.

Von der Dichterin Ricarda Huch stammt der Satz: „Tradition heißt nicht, die Asche aufheben, sondern die Flamme weiterreichen.“ Am Festhalten historisch gewachsener Machtstrukturen und am Kontrollanspruch könnte die Chance vertan werden, sich als Kirche weiterzuentwickeln und die Menschen in ihrem Glauben und ihrer Lebensgestaltung zu erreichen. Aufbrechen heißt auch, eine harte Schale knacken, um den Kern zu finden, die Frohbotschaft Jesu. Dazu bedarf es Menschen, die vom Aufbrechen begeistert sind und andere „mitreißen“ können Begeisterung setzt Kräfte frei und lässt vertrauensvoll neue Wege gehen.

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