Glaube im Alltag: Augen nicht verschließen

Glaube im Alltag : Augen nicht verschließen

Da war doch was .

....?! Ach ja! Volkstrauertag! Einmal im Jahr der Gefallenen und Toten der Weltkriege zu gedenken - das ist es, worum es geht. Politiker, Bürgermeister, Ortsvorsteher und andere laden zu Gedenkfeiern ein. Wir hören mahnende Wort - sie sprechen vom Frieden; sie sprechen davon, dass so etwas nie wieder bei uns vorkommen darf; sie sprechen von Verantwortung und Zukunft; von den Opfern und ihren Angehörigen. Oft sind auch die Vertreter der Kirchen oder einer anderen Religionsgemeinschaft in die Feier mit eingebunden. Der Volkstrauertag ist ein wichtiger Tag im öffentlichen Leben. Es gibt aber auch eine andere Realität. Nämlich die, dass die Zahl derer, die zu diesen Feiern kommen, zurückgeht. "Wie das?", möchte man fragen. Mir scheint, dass es dafür drei Gründe gibt.
Einmal geht natürlich die Zahl derer, die den letzten Krieg in Europa erlebt haben, zurück. Es sind immer weniger Menschen, die noch selber als Soldat im Krieg waren oder als Zivilperson den Krieg erlebt haben. Dann gibt es doch tatsächlich eine wachsende Zahl an Menschen, die die Kriegsverbrechen und vieles, was damit im Zusammenhang steht, leugnen. "Das hat es so nicht gegeben!" - sagen vor allem Leute aus dem politisch rechten Lager. Die Tendenz nach rechts ist nicht erst seit der letzten Bundestagswahl klar. Für mich völlig unverständlich!
Und der dritte Grund, warum immer weniger am Volkstrauertag Anteil nehmen ist der, dass es mittlerweile vielen egal ist. Sie sagen: "Zu weit weg und zu lange her, muss man jetzt auch mal lassen. Da habe ich nichts mit zu tun, ich trage da keine Verantwortung mehr dafür!" Und tatsächlich: Auch ich, der ich klar zur Nachkriegsgeneration gehöre, trage tatsächlich keine Verantwortung für die Gräuel des zweiten Weltkrieges. Aber entlastet es mich? Ich meine, der Volkstrauertag muss auch in der Zukunft fest im Kalender verankert bleiben - selbst, wenn es die Generation derer, die den Krieg erlebt haben, nicht mehr geben wird. Weil wir die Augen vor der Geschichte nicht verschließen dürfen. Parolen von rechts hatten noch nie einen hohen Wahrheitsgehalt. Und den jüngeren Menschen, die den Krieg selber nicht zu verantworten haben, sei gesagt, dass wir heute die Verantwortung dafür tragen, dass er nicht wieder vorkommt! Und da tut erinnern gut.

Pastor Thomas Weber
aus Bitburg