Religion: Ausblick in den Himmel

Religion : Ausblick in den Himmel

Die katholische Kirche feiert in diesen Tagen zwei Feste, die wie Fenster zur himmlischen Welt erscheinen: Die Verklärung des Herrn (6.8.) und die Aufnahme Mariens in den Himmel (15.8.). In den biblischen Lesungstexten wird deutlich gesagt, dass die himmlische Welt sich von allem Irdischen klar unterscheidet.

Jesu Äußeres verändert sich, er erscheint in einem strahlenden Licht. Doch es gibt auch Verbindendes. Trotz aller Veränderung bleibt Jesus für seine Jünger in seiner leiblichen Gestalt erkennbar. Und von Maria bekennt die Kirche, sie sei „mit Leib und Seele“ in den Himmel aufgenommen worden.

Mit dieser Aussage über die Leiblichkeit der Auferstehung tun sich viele Menschen schwer. Es kann doch nicht gemeint sein, dass unser irdischer Körper wieder aufersteht. Nein, das ist nicht gemeint. Der Körper, der schon zu Lebzeiten einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen ist, vergeht nach dem Tod. Die Fortsetzung unserer Leiblichkeit im himmlischen Leben meint etwas anderes. Der „Leib“, der nicht vergeht, ist gleichsam die Außenseite unserer Seele, die Weise, wie sie für andere erfahrbar zum Ausdruck kommt.

Ich muss da an etwas denken, was ich neulich bei einem Aufenthalt in Argentinien erlebte. Ich konnte dort nach langer Trennung einen alten Freund wiedersehen, mit dem ich zwei Jahre sehr eng zusammengearbeitet hatte. Wir telefonierten zunächst miteinander. „Dein Stimme…!“ sagte er und musste nicht weitersprechen. Ich wusste, was er meinte. Seine Stimme klang auch für mich so vertraut, als seien nicht zwanzig Jahre seit unserer Trennung vergangen, sondern nur wenige Tage. Als wir uns bald darauf auch persönlich trafen, konnte ich deutlich die Spuren des Alterns an seinem Körper wahrnehmen. Doch die Weise wie er sprach, wie er lachte, wie er mit den Händen gestikulierte – das war unverkennbar er. So stelle ich mir die Leiblichkeit des Lebens in der himmlischen Welt vor. Wir werden verwandelt, alles wird neu, und doch bleiben wir unverkennbar wir selbst.