| 16:06 Uhr

Kolumne Glaube im Alltag
Bleiben wir fasziniert!

Michael Schlüter
Michael Schlüter FOTO: TV / privat
Auf einem Kalenderblatt las ich ein Zitat vom Hinduisten Gandhi: „Ihr Christen habt in eurer Obhut ein Dokument mit genug Dynamit in sich, die gesamte Zivilisation in Stücke zu blasen, die Welt auf den Kopf zu stellen, dieser kriegszerrissenen Welt Frieden zu bringen.

Aber ihr geht damit um, als ob es bloß ein Stück guter Literatur wäre, sonst nichts.“

Mich haben diese Worte der Bewunderung für das Evangelium, aber auch der Vorwurf nachdenklich gemacht. Da ist ein Gott, der vom „Himmel“ hinabsteigt und sich in einem Menschen zeigt, so manches infrage stellt, viele heilt, aber getötet, doch vom Tod „auferweckt“ wird. Unglaublich! Das ist in der Tat etwas absolut Neues, Überraschendes, nie Gedachtes, Innovatives, Geniales, insofern Exklusives und Explosives, was hier geschieht. Was bedeutet das? Dass wir so geliebt sind?! Und mehr noch: Nie vorher oder nachher hat eine andere – antike, fernöstliche, jüdische, muslimische – Religion Gleiches behauptet.

Wir haben uns schon so an das Außergewöhnliche, Außerordentliche gewöhnt, dass wir nicht mehr aufhorchen oder baff sind. Allzu vertraute Bilder der negativen Verzweckung tauchen in uns auf. Oder das Totschlagargument der wissenschaftlichen Nichtbeweisbarkeit. Sich von den zeitbedingten Ausprägungen mal lösen und den „Blitz bei sich einschlagen lassen“. Ja, darauf käme es neu an – die Faszination dieser revolutionären Nachricht neu in sich selbst entdecken und fortan ein anderer, eine andere werden. Bleiben wir fasziniert!

Michael Schlüter, Hillesheim (Pastoralreferent i.R.)