1. Meinung

Bruno Comes zum Erntedank

Religion : „Es ist einer weniger!“

Bei einem Abendspaziergang am Meer beobachtete ein Mann eine Frau, die äußerst gewissenhaft jeden Seestern, der gestrandet war, aufhob und zurück ins Meer warf. Der Mann beobachtete sie eine Weile und sagte dann zu ihr:

„Es gibt so viele gestrandete Seesterne hier. Was kannst Du schon ändern, indem einen der vielen zurückwirfst?“

Als Antwort bückte sich die Frau und hob einen weiteren Seestern auf. Sie war ihn in die See und sagte: „Es ist einer weniger!“

Was für eine Haltung!

Und mir gehen bei dieser Geschichte verschiedene Gedanken durch den Kopf.

Ein erster: Genauso wurde mir Gott von Jesus vorgestellt: Einer, der dem Einzelnen nachgeht und sich um ihn sorgt. Siehe: Das Gleichnis vom verlorenen Schaf, als der Gute Hirt 99 Schafe zurücklässt, um das EINE verlorene zu suchen und zu finden!

Ein zweiter Gedanke: Diese Frau aus der Geschichte ist eine achtsame und aufmerksame Frau. Sie ist ferner eine Frau, die sich nicht entmutigen lässt von einer eigentlich überwältigend großen Aufgabe. Einfach anpacken, einfach loslegen, einfach helfen, ohne groß zu lamentieren oder zu protestieren oder zu berechnen!

Ein dritter Gedanke: Diese Frau ist ein lebendiger Impuls, darüber nachzudenken, wie mein Verhältnis zur Schöpfung ist, welche Verantwortung ich bereit bin zu übernehmen und wo ich mich einsetze für das Leben.

Diese Gedanken passen gut zu Erntedank, welches an diesem Sonntag vielerorts begangen wird.

Aber auch der vierte Gedanke passt gut dazu: Ich nehme bei der Haltung dieser Frau Dankbarkeit wahr: Dankbarkeit für jedes Leben! Dankbarkeit auch für das eigene Leben und die eigenen Möglichkeiten! Dankbarkeit auch für die Gaben der Erde! Aus Dankbarkeit folgt die Erkenntnis: Nichts ist selbstverständlich!

Ich verstehe die kleine Geschichte von dieser anpackenden Frau als Anstoß zum Denken, Danken und Handeln:

„Es ist einer weniger!“ Ein aufmerksames und bewusstes Erntedankfest wünscht