Glaube im Alltag: „Damit es in der Welt ist“

Glaube im Alltag : „Damit es in der Welt ist“

Im Orient findet man oft neben der Straße einen Esel mit einem Strick so an einen Pflock gebunden, dass er eine stark eingeschränkte Bewegungsfreiheit hat und nur innerhalb eines Radius von ein paar Metern weiden kann.

Am nächsten Tag schlägt man den Pflock ein paar Meter weiter ein, damit die Ernährung gewährleistet ist. Geht es uns Menschen nicht auch so wie dem Esel? Kreisen wir nicht auch um unsere oft egoistisch motivierten Pflöcke, manche um Luxus, Statussymbole, Geld, andere um Machterhalt oder Machterwerb, wieder andere um Ansehen und Kommunikation?

Leidet darunter nicht das Binnenklima eines vernünftigen Miteinanders? Sollten wir nicht die Perspektive wechseln, raus aus der Opferrolle hin zu einer verantwortungsbewussten, großmütigen Haltung? Wie das aussehen könnte, zeigt folgende arabische Fabel vom invaliden Fuchs. Unterwegs im Wald sah ein Mann einen Fuchs, der seine Beine verloren hatte. Er wunderte sich, wie das Tier wohl überleben konnte. Dann sah er einen Tiger mit einem gerissenen Wild. Der Tiger hatte sich sattgefressen und überließ dem Fuchs den Rest. Am nächsten Tag ernährte Gott den Fuchs wiederum mit Hilfe des Tigers. Der Mann war erstaunt über Gottes große Güte und dachte: „Ich werde mich in eine Ecke zurückziehen, dem Herrn vertrauen und er wird mich mit allem nötigen versorgen.“ Viele Tage brachte er so zu, nichts geschah. Der arme Kerl war dem Tode nahe, als er eine Stimme hörte: „Du da, auf dem falschen Weg, öffne die Augen vor der Wahrheit! Folge dem Beispiel des Tigers und nimm Dir nicht länger den behinderten Fuchs zum Vorbild!“ Nur wenn es Großherzige und Kümmerer gibt, denen die Leidenden und Zukurzgekommenen nicht gleichgültig sind, und die aktiv etwas gegen Hunger, Not und menschliche Kälte unternehmen, kann es besser werden in dieser Welt. „Das Gute soll man tun, damit es in der Welt ist“, habe ich gelesen. Oder wie Jesus sagt: „Handle so, und du wirst leben!“ Wie das praktisch umgesetzt werden kann, beweist der Trainer des FC Liverpool, Jürgen Klopp, damit, dass er einem schwer kranken Fan eine Video-Botschaft schickte mit der erstaunlichen Aussage: „Ich bin Christ, wir sehen uns.“