1. Meinung

Der kleine Funke

Glaube im Alltag : Der kleine Funke

Ich saß neulich morgens in der U-Bahn der Linie 15 in Köln und ließ meine Gedanken schweifen…plötzlich, nach dem Halt an einer Station, durchdrang den Zug ein beißender Geruch von Urin. Ein Obdachloser mit einer schmutzigen nassen Decke über den Schultern ging durch den Zug von Sitzbank zu Sitzbank und bat um ein paar Cent für ein warmes Essen.

Als er bei mir stand, kam ich nicht umhin, ein kleines Gespräch mit ihm anzufangen. Er erzählte mir, dass letzte Nacht, als er in einer windgeschützten Ecke schlief, eine Gruppe Jugendlicher sich über ihm entleert hätten. Er tat mir fürchterlich leid und ich gab ihm etwas Geld. Irgendwann später hörte ich im Radio von KrankenpflegerInnen, dass sie keine Kraft mehr hätten, den Kranken nur noch beim Sterben zuzusehen und ihnen nicht mehr helfen zu können. Und abends telefonierte ich mit einem Diakon, der von der Ahr stammt. Er erzählte mir von den vielen Tränen, die in Gesprächen mit den Flutopfern geflossen sind, als das Thema Weihnachten kam.

Das war so viel Leid. Ich stellte mir die Frage: Woraus schöpfen Menschen in solch schweren Momenten ihre Kraft trotzdem immer wieder weiterzumachen?

Menschen, die trotz allen Leides weitermachen, lassen die Verzweiflung nicht die Oberhand gewinnen. Sie haben den eigenen Blick nicht auf das Hoffnungsvolle verloren – sei es auch noch so klein…sie haben immer noch einen Funken Hoffnung und geben diesem die Chance, zu wachsen, um vielleicht doch irgendwann zu einer Möglichkeit zu werden…für eine gute Zukunft, für mehr Zusammenstehen in der Gesellschaft, für Wunden, die heilen und, und, und…

Der kleine Funke Hoffnung ist es oft, der uns trägt. Und so gehen wir auch in das neue Jahr, mit vielen kleinen Funken der Hoffnung, die wir in unseren Herzen festhalten dürfen – für uns und für andere. Für ein Feuerwerk ist dieses Mal nicht der richtige Anlass, aber um mir meiner Hoffnungen bewusst zu sein, zünde ich um 0 Uhr, so wie im letzten Jahr, eine Spritzkerze an…Ich schaue mir bewusst die vielen kleinen „Hoffnungs“-Funken an, um dann das neue Jahr anzugehen.

Für das neue Jahr wünsche ich Ihnen und allen, die nach Hoffnung suchen, Gottes reichen Segen und ein Herz voller Hoffnungsfunken.