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Umwelt
Die andere Sicht

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Dürren, brennende Wälder, überflutete Dörfer, heftige Stürme, Erderwärmung, davon hören wir fast täglich. Menschliche Ursachen werden vermutet. Und wir werden wohl notwendigerweise, zu unserem Wohl, unser Verhalten radikal ändern müssen.

Das aber beginnt bei unseren Einstellungen.

Vielleicht kennen sie den Patron der Umweltschützer, den heiligen Franziskus mit seinem berühmten Sonnengesang aus dem 12. Jahrhundert. Doch sein Umgang mit der Natur ist anders zu begründen als der heute geforderte verantwortliche Umgang mit ihr. Unser heutiges Denken war Franziskus völlig fremd. In seiner Zeit gab es noch keine solche Umweltverschmutzung. Seine geschwisterliche Haltung der Natur gegenüber erwächst aus dem Glauben: das Lob Gottes sei Aufgabe der ganzen Schöpfung. Und alle Geschöpfe nehmen diese Aufgabe, gebunden und begrenzt durch die natürlichen Abläufe besser wahr, als der Mensch in seiner Freiheit.

Welch eine Sicht der Welt. Hinter all dem, was wir so als natürlich bezeichnen, das Lob der Schöpfung zu erkennen. Jede Regung, jede Bewegung, jeder Ablauf, ein Lob Gottes. Und wenn die anderen Geschöpfe es besser können als ich, was könnte ich da alles von ihnen lernen.

Ich höre Franziskus sagen: Mensch, begreife dich als Teil der Schöpfung, als Geschöpf mit freiem Willen, Gott gewollt, sein Ebenbild mit einer besonderen Würde. Die Geschöpfe loben schon durch ihr Sein, begrenzt durch die Regeln, die ihnen gegeben sind. Nur du, Mensch kannst in Freiheit ja dazu sagen und im Glauben einstimmen in das Lob der Schöpfung. Wo das wie bei Franziskus geschieht, da ändert sich was in unseren Einstellungen

„Sie wollten sein wie Gott“ – so schildert die Bibel den Sündenfall. Sie wollten nicht aus Gott, sondern aus sich selbst heraus leben. Sie wollten nicht ja sagen dazu, dass das Wesentliche im menschlichen Leben Geschenkcharakter hat. Eine solche Haltung führt in die Katastrophe, auch heute! Wie anders die Sicht des Franziskus, eine Chance für uns heutige Menschen.

Johannes Jaax ist Pfarrer in der Pfarreiengemeinschaft Salmtal und Dechant des Dekanates Wittlich.