1. Meinung

Eigene Erfahrung

Glaube im Alltag : Brauchtum und Erfahrung

Neujahr, wenn wir Raketen steigen lassen, geht es los. Wir machen weiter mit der Kostümierung an Karneval, veralbern im April mit Scherzen unsere Lieben, stellen einen Maibaum auf, feiern ein Richtfest beim Hausbau, beschenken uns an Geburtstagen.

Valentinstag oder Halloween haben wir aus dem Ausland übernommen. Dazu kommen christlich/religiöse Bräuche, wie St. Martin, Nikolaus und Weihnachten, die Kinder und Erwachsene lieben. Zu fast jedem Anlass gibt es inzwischen einen eigenen Brauch. Über Sinn und Unsinn derselben kann man wunderbar streiten. Was die einen beglückt, verurteilen die anderen als den Gipfel des Unsinns und als ganz und gar überflüssig.

Unabhängig von diesen Einschätzungen sind es Handlungs- und Glaubensmuster, sowie Überzeugungen, die wir weitergeben.

So ließen wir bei der Hochzeit meiner Nichte Ballons steigen. Nicht meine Welt, aber… einer dieser Ballons flog bei Wind und Wetter über 500 Kilometer weit in die Lüneburger Heide. Dort streckte sich ein 88 Jahre alter Bauer so lange, bis er ihn aus dem Baum befreit hatte. Der alte Herr hatte nach seinen acht Mastrindern gesehen, die er noch selbst versorgt. Die Karte am Ballon inspirierte ihn, zurückzuschreiben. Als Präsent fügte er Heidehonig und sechs Mini Flaschen Heidegeist dazu. Sein Wunsch: Der Honig möge die Ehe süßen und der Heidegeist bei Streit getrunken werden, auf das die sechs Flaschen bis zur Silberhochzeit reichen mögen.

Das Brautpaar war begeistert, zumal der Bräutigam auch von einem Bauernhof, mit Rindern, kommt. Und antwortete postwendend mit Fotos und heimischen Präsenten in Richtung Heide. Und ich, obwohl anfangs skeptisch, war tief berührt.

Daniela Steil, Pfarrei Musel a Syr, Grevenmacher (Luxemburg)