Glaube im Alltag: Einer trage des anderen Last

Glaube im Alltag : Einer trage des anderen Last

„Einer trage des anderen Last…“ Zumindest unter christlich geprägten Menschen ist das ein geflügeltes Wort. Die Last anderer zu tragen ist vielleicht einmal gar keine so gute Idee. Hat nicht jeder sein eigenes Päckchen zu tragen?

Und geht das überhaupt: eines anderen Last abnehmen?

Bei meiner letzten Hüttenwanderung konnte ich zum Thema „Lasten tragen“ einige Erfahrungen sammeln. Die übliche Erfahrung beim Wandern ist, dass man immer zu viel einpackt und mitnimmt. Erst beim Gehen kommt man zur Einsicht, wie wenig man wirklich braucht. Nicht immer hat man dann die Möglichkeit zum Ausmisten. Dinge, die eigentlich unnötigerweise mitgeschleppt werden, möchte man am liebsten entsorgen, ausmisten. Eine Einsicht, die übrigens nicht nur beim Wandern, sondern auch sonst auf Lebenswegen bedeutsam sein kann.Nach zwei Tagen Gehen hat man sich dann mit seiner Last, mit seinem Rucksack auf dem Rücken arrangiert.  Beim versehentlichen Anheben eines anderen Rucksackes, dachte ich mir: Mein eigener Rucksack fühlt sich für mich am besten an, Gewicht und Einstellung passen. Offenbar können wir uns mit unseren eigenen  Lasten arrangieren – ein Stück jedenfalls.

Und dennoch gibt es die Erfahrung, dass Lasten zu schwer werden für einen selbst – nicht nur körperlich. Gerade bei Belastungen, die auf die Seele drücken, kann man nicht einfach den Rucksack kleiner oder leichter machen. Aber man kann „auspacken“ – im wahrsten Sinn des Wortes. Man kann das, was einem selbst zu schwer wird, jemand anderem oder sogar Gott anvertrauen, ihn bitten, es mitzutragen  und sich selbst dadurch erleichtern.

Auch hierzu hat mir meine Wanderung eine ganz praktische und zugleich tiefsinnige Erfahrung beschert: In unserer Gruppe brauchte eine Teilnehmerin  beim Anstieg Hilfe, die Luft wurde dünner. Nichts Dramatisches, aber es genügte, um zu erkennen: mit dem Rucksack auf dem Rücken geht es nicht mehr weiter. Wir haben dann kurzerhand den Inhalt ihres Rucksackes aufgeteilt. Jeder hat das genommen, was er/sie tragen konnte – und ihr so eine Last abgenommen. Und so ließ es sich für alle weitergehen – gemeinsam.

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