1. Meinung

Elfriede Klar: Gedanken zu Glück und Glücklichsein

Glaube im Alltag : Gedanken zu Glück und Glücklichsein

Immer, wenn ich an meinen aufgestellten Geburtstagskarten vorbei kam, sprang mir eine Karte in die Augen, auf der in großen Buchstaben GLÜCK stand.

Und immer wieder neu regte sich bei mir die Frage: Was ist nun Glück? Und für mich persönlich? Bücher, Kolumnen und Kalendersprüche überbieten sich derzeit dazu mit philosophischen Überlegungen, mit Impulsen und Ratschlägen.

Ein Spruch, den wir uns in Kindertagen gegenseitig ins Poesie-Album schrieben, kommt mir in den Sinn: „Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu anderer Glück, denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ Ob uns damals bewusst war, dass Glück nicht machbar ist, nichts zu tun hat mit Selbstbezogenheit, sondern erfahrbar wird in gegenseitigem Geben und Nehmen, im Sich-einander-öffnen? „Seine Freude in der Freude des anderen finden können, das ist das Geheimnis des Glücks“, formulierte es der Schriftsteller Bernanos.

Glück ist wohl etwas, das geschieht und sich finden lässt, wenn ich meinen Blick über mich selbst hinaus weite.

Glück erfahre ich immer als einzelne gute Momente, die gesammelt und aneinandergereiht, zu einer Grundstimmung innerer Zufriedenheit führen, gar zu einer heiteren Gelassenheit, die auch schwierige Momente aushält und überdauert, eben zum Glücklich-sein. Vielleicht liegt überhaupt das Geheimnis des Glücks darin, mit sich selbst „im Reinen zu sein“. Dann sind wir eher bereit, die guten Momente wahrzunehmen und die „Fülle des Lebens“ zu erfahren, die Jesus denen zusagt, die seine Worte hören und sie leben.

Der flämische Ordensmann Phil Bosmans, schwer erkrankt, widmete seine letzte Kraft den am Rande der Gesellschaft Lebenden und wurde nicht müde, die Erfahrung weiterzugeben: „Glücklich sein hängt ab von lieben und geliebt werden und von so vielen Dingen im Alltag, die uns gratis gegeben sind“, und ich ergänze, „die es zu entdecken gilt, mit wachen Augen und mit offenem Herzen.“