Glaube im Alltag: Fronleichnam! Warum?

Glaube im Alltag : Fronleichnam! Warum?

Vielerorts wird dieser Tage in Prozessionen Fronleichnam gefeiert. Die Ursprünge dieses Festes reichen fast 800 Jahre zurück.

Im Jahre 1202 lebt in einem Kloster in der Nähe von Lüttich mitten unter den Nonnen ein neunjähriges Mädchen. Es heißt Juliana. Die Schwestern haben sie bei sich aufgenommen, denn sie hat keine Eltern mehr. Schwester Sapientia nimmt das Mädchen unter ihre Fittiche. Oft unterhält Juliana sich mit ihr. Ihre Fragen nehmen gar kein Ende, sie will lernen. Sie lernt Latein und lernt Lesen. Mit vierzehn Jahren bewirbt sie sich um die Aufnahme ins Kloster. Das wird genehmigt. An ihrem Leben ändert sich nicht viel. Sie geht, sooft sie kann, in die Kirche, zu Jesus in der Gestalt des Brotes. Jeder Kommuniontag (damals ging man nicht so oft zur heiligen Kommunion) ist für sie ein Festtag.

Eines Tages, Juliana ist sechzehn Jahre alt, kommt ihr in der Kirche ein seltsames Bild vor Augen: Ein Vollmond mit einem schwarzen Fleck. Was soll das Bild? Sie denkt darüber nach. Immer wieder sieht sie den Mond mit dem schwarzen Fleck. Und dann erkennt sie die Bedeutung des Bildes: Unter den Festen des Kirchenjahres fehlt ein Fest von der Gegenwart des Herrn in der Brotsgestalt. Sie behält diese Idee noch für sich. Mit 37 Jahren wird Juliana zur Oberin des Klosters gewählt. Nun erzählt sie von dem Mond mit dem Fleck, sagt, Gott wolle ein Fest vom Leib des Herrn. Sie wird ausgelacht, sie wird beschimpft. Aber sie bleibt bei ihrer Meinung. Sogar ihre Mitschwestern wenden sich fast alle gegen sie.

Letzten Endes verlässt sie das Kloster und findet eine Klause bei der Kirche von Fosses in Belgien. Der Gedanke des neuen Festes ist aber nicht so leicht zu vertreiben. Gerade die, die darauf schimpfen, halten ihn im Gedächtnis der Zeitgenossen. Und so geschieht es, dass im Jahr 1246 in der Kirche St. Martin in Lüttich das erste Fronleichnamsfest gefeiert wird.

 Der Gedanke des Festes stößt auch in einigen Diözesen im Westen Deutschlands auf Gegenliebe. Am 5. April 1258 stirbt Juliana. Einige Zeit danach wird der frühere Erzdiakon Jakob von Troyer aus Lüttich zum Papst gewählt. Er kennt Juliana, weiß, was in Lüttich geschehen ist. Er führt als Papst Urban IV. im Jahr 1264 das Fronleichnamsfest für die ganze Kirche ein.