1. Meinung

Gaube im Alltag

Religion : Revolution einmal anders

Die meisten haben Glück gehabt; aber andere? Die große Flut ist nun schon vier Wochen her. Doch längst ist nicht alles wieder o.k. Die Bilder jedenfalls gehen mir immer noch nicht aus dem Kopf: Von jetzt auf gleich vollgelaufene Keller, zerstörte Böden, Heizungen und Haushaltsgeräte, verzweifelte Bewohnerinnen und Bewohner, ruinierte Existenzen, übermüdete Helferinnen und Helfer, abgrundtiefe Trauer ob der Toten, quälende Angst um die Vermissten.

Ich möchte die Katastrophe verdrängen, wie einen Albtraum löschen, zur Tagesordnung übergehen. Doch das fühlt sich falsch an; genau das geht nicht. Es bleibt ein Stachel zurück. Da schlägt das Gewissen. Wenn etwas neben der zerstörerischen Flut genauso tödlich ist, dann ist es Gleichgültigkeit. Ihr haben bislang viele widerstanden! Unzählige - gerade junge Leute - haben es vorgemacht, nicht gezögert: Ob als Mitglied in der Feuerwehr, bei den Maltesern, beim THW oder anderen Hilfsorganisationen, oder auch ganz privat: Sie packten an, Gummistiefel an den Füßen und Schaufeln in den Händen. Solidarität fackelt nicht lange. Andere organisierten kreativ Spenden. Viele halfen mit das Chaos, das die Flut angerichtet hat, zu ordnen und Hoffnung in die Herzen von Betroffenen zu säen. „Die einzige Revolution, die den Menschen nicht verrät, ist diejenige, die aus der echten Liebe entsteht“ hat der frühere Papst Johannes Paul II formuliert. Wenn das so ist, dann könnte gerade eine Revolution unter uns im Gange sein! Was könnte uns Besseres passieren!?

Morgen, am 15. August, am Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel werden in kath. Gottesdiensten Krautwische gesegnet. Die verwendeten Heilkräuter und Blumen, zu kleinen Sträußen gebunden, sind Sinnbild dafür, dass wir nicht für den Untergang, sondern für das Leben, für die Freude, geschaffen sind. In diesem Jahr kommt für mich eine Deutung hinzu: Gegen Verzweiflung ist ein Kraut gewachsen! Es sind sogar gleich mehrere Kräuter: Sie heißen Glaube, Hoffnung und Liebe. Schon der Apostel Paulus wusste, dass Letzteres von diesem „Dreifachkraut“ das größte ist.