1. Meinung

Ostern: Gedanken zur Auferstehung

Ostern : Gedanken zur Auferstehung

Wo ist er nun? Das sagte jemand neben mir nach der Grablegung. Im Moment war ich überfragt und dachte an meinen Enkel, der für sich nach dem Tod seines Opas eine Antwort gefunden hatte: „Jetzt habe ich einen Opa im Himmel.“ Wir Erwachsene tun uns schwer bei der Annahme einer neuen Dimension unseres Seins nach dem Tod, der Verstand steht uns da im Wege und setzt uns Grenzen.

Die Kirche tat gut daran, den Auferstehungsgedanken anzuknüpfen an das heidnische Frühlingsfest, das das neu erwachsende Leben feierte. Wir brauchen solche „Bilder“, um der Vorstellung der uns verheißenen Unsterblichkeit näherzukommen.

Da gibt es auch die Geschichte von der Blumenzwiebel, die im Dunkel der Erde verharren will und damit beinahe ihr wahres Leben verpasst. Durch Licht und Wärme zum Sich-Öffnen gedrängt, kann sie die in ihr angelegten Möglichkeiten doch noch entfalten und das sein, was ihre Bestimmung ist.

Aufstehen aus dem Dunkel des Erdendaseins ins ewige Licht bei Gott ist auch unsere Bestimmung. „Steh auf, nimm deine Matte und geh“, war das von den Frauen in Simbabwe gewählte Thema zum diesjährigen Weltgebetstag im März. Dem Aufruf Jesu wollen sie folgen, aufstehen von der Matte ihrer Probleme und kämpfen gegen Ungerechtigkeit und das daraus erwachsende Elend. Aufstehen, auferstehen – nicht erst nach dem Tod, auch schon jetzt mitten im Alltag – das ist die Botschaft von Ostern, auch über das Fest hinaus. Das hat auch Jesus seinen Jüngern in den Begegnungen nach seinem Tod als Hoffnungszeichen hinterlassen und damit die Nähe Gottes in unserem Alltag erfahrbar gemacht.

Auch in der zur Zeit beängstigenden Situation durch Covid-19 sind Zeichen des Aufstehens erkennbar in vielen Hilfsangeboten, in Sorge umeinander, im Spagat zwischen Abstandhalten und Zusammenstehen – Zeichen des Lebens gegen Angst und Tod. Im Geheimnis der Auferstehung können wir Kraft und Zuversicht schöpfen, das Leben zu bestehen und es zu genießen – trotz allem.