Glaube im Alltag: Gesegnet sein und Segen sein

Glaube im Alltag : Gesegnet sein und Segen sein

Ich erinnere mich noch all zugut ... Wenn wir bei meiner Oma zu Besuch waren, stand sie bei unserer Abfahrt oben auf der Treppe an ihrer  Haustür und machte das Kreuzzeichen über uns. Sie segnete uns auf unserem Heimweg.

Es war irgendwie selbstverständlich, und ich dachte nicht lange darüber nach. Im Laufe meines Lebens ist es mir aber immer bewusster geworden, welch ein tiefer Sinn sich hinter dieser  Geste verbirgt.

Segnen – das heißt, jemandem etwas Gutes wünschen, das Beste für ihn wollen. Man bittet den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist, er möge den Menschen beschützen, begleiten, vor Negativem aller Art bewahren, ihm Gesundheit und Wohlergehen schenken. Vielleicht ist dieser segensreiche Gedanke ein wenig aus der Mode gekommen. Aber warum sollten wir nicht wieder häufiger Menschen den Segen mit auf den Weg geben? Unsere Gedanken und Wünsche können auf diese Weise sicherlich mit Gottes Hilfe Vieles zum Guten lenken.

Zu diesem Guten können wir aber auch in unserem Alltag beitragen, in dem wir selbst Segen für Andere sind. Wache Augen, die Einsamkeit erkennen, offene Ohren, die auch versteckte Not wahrnehmen, und ein Herz, das sich anrühren lässt von der Trauer und von den Ängsten der Mitmenschen, sind erste Schritte hierzu. Ein freundliches Wort, eine Geste und ein Lächeln von uns für die, die uns begegnen, lassen dann die Welt  ein wenig heller werden, wenn trübe Gedanken, Alleinsein  und Sorgen das Gegenüber belasten. Die kleine angebotene Hilfe, die Anderen den Alltag erleichtert – aber auch ein entschiedenes Nein, wenn es um Gedankengut, Worte und Taten geht, die die Würde des Menschen verletzen, lassen uns zum spürbaren Segen für Andere werden. Nehmen wir uns doch einfach einmal vor, in der Adventszeit täglich einen Menschen zu segnen und bewusst zu versuchen, ein Segen für andere zu sein. Dann erhellen nicht nur die immer zahlreicher werdenden Kerzen am Adventskranz die dunkle Jahreszeit...