1. Meinung

GLAUBE IM ALLTAG Dyrck Meyer

GLAUBE IM ALLTAG : Echt stark! Er ist es wirklich!

Das Pfingstgeschehen wird im Johannesevangelium nur ganz knapp erzählt: Nachdem Jesus von ihnen gegangen war, haben sich die Jünger aus Furcht und Verunsicherung zurückgezogen und waren auf engstem Raum zusammen.

Doch sie werden vom auferstandenen Jesus aufgesucht und herausgelockt. Dazu sichert er ihnen den Frieden zu. Und er haucht sie an.

Manch einer zuckt mittlerweile bei solchen Schilderungen zusammen. In einer Zeit, wo man sozialen Abstand halten soll und sogar das Singen zur Gefahr werden kann. Anhauchen geht da eigentlich gar nicht. Und trotzdem, auch wir versuchen uns in diesen Tagen lockerer zu machen: Häuser und Homeoffice werden wieder verlassen, und wir gehen zurück an unsere Arbeitsplätze, in Geschäfte, Schulen, Kindergärten, Trainingsräume und vielleicht sogar Schwimmbäder. Auch in den Kirchen werden unter großer Achtsamkeit wieder erste Gottesdienste gefeiert. Doch für viele hat diese längst noch nicht beendete Krise bereits Spuren hinterlassen. Zumindest eine gewisse Unsicherheit bleibt: Was dürfen wir uns gegenseitig wieder erlauben und zutrauen? Wem können wir in dieser Krise wirklich vertrauen? Viele versuchen, uns ihre Deutung aufzudrängen.

Die Jünger vertrauen Jesus, als er ihnen die Kreuzigungswunden an seinen Händen und an seiner Seite zeigt. Das löst sogar Freude bei ihnen aus. Ja, er ist es wirklich! Manchmal sind es auch bei uns nicht unsere Heldentaten und großen Sprüche, die Vertrauen wecken, sondern unsere verwundbare Seite, die wir zulassen und einander zeigen können.

Dass wir vom Geist Jesu bereits angesteckt wurden, erkennt man, wenn wir nicht mehr unter uns bleiben, sondern auf andere – auch Fremde – zugehen; wenn wir eine Sprache sprechen, die andere verstehen können und Verständigung suchen; wenn wir die Geister unterscheiden und uns bei allem, was wir tun, von der Liebe leiten lassen. „Wir werden uns am Ende einiges zu verzeihen haben“, hat ein Politiker mit Blick auf die aktuelle Krise gesagt. Der Pfingstgeist schenkt uns auch dazu die Kraft. Also nur Mut, lassen wir uns getrost diesen Geist zuhauchen und aus der Enge unserer Herzen herauslocken!