1. Meinung

Glaube im Alltag Von Guido Kohlenberg

Glaube im Alltag : Ohren gespitzt und laut gerufen!

Rufe laut! Halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune! Verkünde dem Volk seine Abtrünnigkeit!“ Das könnte doch direkt aus einer Anleitung zum Karneval stammen, oder?. Nun gut, wahrscheinlich stünden da die Volksvertreter und nicht das Volk am Pranger.

Nun werden in diesem Jahr die Büttenreden wohl als „Geisterspiele“ stattfinden und die Umzüge, wie mir kürzlich jemand als Filmchen schickte, mit dem H0-Traktor und der Spielzeugeisenbahn in Szene gesetzt. Immerhin! Die Karnevalisten mögen mir verzeihen! Schließlich ist der eingangs zitierte Ruf ja auch nicht dem Karnevalshandbuch, sondern dem Buch des Propheten Jesaja entnommen.

Trotzdem ist es mir sympathisch, dass ein Mann Gottes nicht an sich halten sollte. Er soll laut auf den Straßen rufen, nicht hinter irgendwelchen Tempel- oder Kirchenmauern. Und er soll das benennen, was nicht in Ordnung ist. Sicherlich werden nicht nur die kommenden Karnevalstage, sondern auch die Fastenwochen aus unterschiedlichen Perspektiven sehr unterschiedlich wahrgenommen werden. Das ist wie bei einem beschrankten Bahnübergang. Der Lokführer wird die Schranken ganz anders wahrnehmen als ein unruhig vor (!) einer Schranke stehender Autofahrer.

 Perspektivisch sehen könnte bedeuten, die Stimme zu erheben, wenn mir etwas (oder jemand) wirklich wichtig ist. Es kann auch darauf hinweisen, in Würde mit dem/der ins Gespräch einzutreten, der/die eine ganz andere Maxime vertritt als ich.

Da der Prophet im Namen Gottes rufen soll (andernfalls hätte er sich wahrscheinlich „höflich“ zurückgehalten), komme ich nicht umhin, mir (und Ihnen?) klar zu machen, dass das laute Rufen, das Erheben der Stimme und die Verkündigung voraussetzen, vorher die Ohren aufgesperrt zu haben. Hier hilft es mir, dass es in der Bibel nicht nur Ohren rechts und links am Kopf, sondern auch „Ohren des Herzens“ gibt. Ich möchte es – vor allem nach den Karnevalstagen, wie auch immer diese verlaufen – einüben, genau diese Ohren zu spitzen! Nebenbei – auch eine interessante Art von Gebet!

 Herzliche Grüße und ein gesegnetes Wochenende, was auch immer für eine/n jede/n von uns „drinsteckt“!

Foto: tv/Guido Kohlenberg
 Schienen
Schienen Foto: tv/Guido Kohlenberg

Gudio Kohlenberg, Pfarrer, evangelische Kirchengemeinde Bitburg