1. Meinung

Glaube im Alltag von Matthias Veit

Kirche : Auf Erkundungstour

Es war an einem Sonntag im November in einer Kirche der Pfarreiengemeinschaft Wittlich. Ich war gerade dabei während der Eucharistiefeier das Sonntagsevangelium auszulegen. Da machte sich ein kleiner Junge, etwa drei Jahre alt, selbstständig.

Ohne einen Laut von sich zu geben, verließ er die Kirchenbank, in der seine Eltern saßen und begab sich äußerst interessiert auf Erkundungstour. Er spazierte durch den Mittelgang nach vorne, bog vor der ersten Bank nach rechts ab, machte an der Außenwand kehrt, maß vor den Altarstufen die ganze Breite des Kirchenschiffes ab, um dann ohne Kommentar wieder an seinen Ausgangsplatz zurückzukehren. Und ich mit meiner Predigt!? Der Junge hatte mir das Heft aus der Hand genommen. Aus den Reaktionen der Leute konnte ich folgern, dass mir schon längst keiner mehr zuhörte. Die Köpfe und Augen aller Mitfeiernden folgten dem kleinen Mann. Und über die Gesichter der Leute, die zu der Zeit keine Masken tragen mussten, ging ein Lächeln. Niemand konnte sich dem entziehen.

Gott schafft doch mit allen Tricks! (K)Ein Wunder, dass er selbst Mensch wurde! An Weihnachten feiern wir Gottes ersehnte Erkundungstour, die Geburt seines Sohnes in diese Welt. Und ich sage mir: Was könnte Besseres passieren, als dass auch das Kind in der Krippe, die Blicke vieler auf sich ziehen wird. In Jesus schauen wir unseren Gott und Er schaut auf uns. In seinem Sohn sucht er uns auf, erkundet er Dein und mein Leben, lässt er uns wissen und spüren, dass er unser Heil will! Wie tröstlich und hilfreich. Wir bleiben nicht allein, in welchen Bedrängnissen auch immer. Und wer das verstanden hat, sich davon anrühren lässt, der ist mehr als genug beschenkt, für den können selbst kluge und wohlgefeilte Predigten zweitrangig bleiben.