1. Meinung

Glaube im Alltag von Pastoralreferentin Christiane Friedrich

Glaube im Alltag : Andenken

Was bringen Sie aus Ihrem Urlaub mit? Fotos der schönsten Augenblicke? Ein Souvenir? Alles Dinge, die an die schönsten Wochen im Jahr erinnern helfen und so die Erholung nachwirken lassen. Psychologen raten zu Andenken, die an das erinnern, was das Leben bereichert und lebenswert macht.

Eine ökumenische Frauengruppe feiert seit der Pandemie jede Woche Gottesdienst: draußen, in einer Kapelle, zu Hause. Nach jedem Treffen füllt ein Gedanke, Foto, Andenken ihr Tagebuch. Inzwischen erzählt ihr Tagebuch, wie sie miteinander durch die schwere Zeit geführt wurden und sie stellen fest: „Da ist uns Gott begegnet, diese gute religiöse Erfahrung begleitet und trägt uns im weiteren Leben.“

Ein Blick in die Bibel bestätigt diese Feststellung: Im 2. Buch der Bibel, im Buch Exodus, wird von einer kleinen Gruppe Israeliten erzählt, die durch die Wüste wandert, nachdem sie der Sklavenarbeit in Ägypten entkommen ist. Sie sind hungrig, verzweifelt und beginnen, sich nach den Fleischtöpfen Ägyptens zu sehnen. Ihre Verzweiflung wird erhört, sie finden etwas zu essen, das sie „Manna“, „Was ist das?“ nennen und sie täglich satt macht. Als Andenken an ihre erneute Errettung sammeln sie einen Eimer voll Manna als Zeichen für die künftigen Generationen. Zwar gibt es den Eimer mit dem Manna nicht mehr, aber die Erinnerung an die rettende Tat Gottes hat sich über 3000 Jahre erhalten, weil Menschen sie von Generation zu Generation weitererzählt haben.

Diese Erzählung ist bis heute eine Anregung, eigene gute Erfahrungen im Leben zu sammeln. Ich kann Erinnerungen schaffen, die tragfähig sind für Zeiten, in denen die Zukunft nicht mehr so rosig aussieht. Wenn Sie Ihre Urlaubserinnerungen sammeln, ist dies vielleicht auch eine Gelegenheit, Rückschau zu halten. Vielleicht erinnern Sie Begegnungen mit Menschen in lebenswichtigen Situationen, lebenswerte Erfahrungen, die Ihnen Gott ein Stückchen näher gebracht haben? Vielleicht hilft Ihnen ein Andenken, diese Erfahrung auch im Alltag wach zu halten?