1. Meinung

Glaube im Alltag von Rainer MArmann

Kirche Kirche : Ver-rückte Zeit

Es ist bald soweit, einige Tage noch, und es ist Weihnachten! Nur … die Zeit ist ver-rückt, im Sinne des Wortes.

Auch vor rund 2000 Jahren wurden die Menschen durch eine staatliche Order aus ihrer Routine gebracht. Es handelte sich nicht um eine Pandemie, sondern um eine Volkszählung. Viele waren unterwegs, um dieser Anordnung nachzukommen. Bestimmt waren nicht alle damit einverstanden.

In dieser Zeit wurde ein Kind geboren, das als Erwachsener die Welt verändern sollte. Einfache Hirten, die Unbedeutendsten dieser Zeit, haben damals die Botschaft der Geburt verkündet. Es ist klar, dass die Zuhörer staunten, dass es ausgerechnet solche Menschen waren, die darüber berichteten.

Welch eine Zumutung muss es gewesen sein, in einem Stall zu entbinden, auch wenn Lukas die Geschichte wie im strahlenden Kerzenschein schildert. Die Zeit danach wurde nicht besser. Die Familie musste fliehen, um den Mordplänen des Herrschers zu entkommen. Ob bei ihnen auch der Satz „Fürchtet euch nicht“ nachhallte? Lukas berichtet es nicht.

Jetzt im Jahr 2020 sind wir in der Adventszeit in einer ungewohnten, auch seltsamen Zeit angekommen. Kein Einkaufstrubel, keine Weihnachtsmärkte, keine Dauerberieselung mit Weihnachtsmusik. Irgendwie stiller! Ist das eine Zumutung? Oder etwas anderes? Vielleicht die Stille hin zum Ziel, zum Gedächtnis einer erst einmal unspektakulären Geburt.

Diese Botschaft über die Jahrhunderte hinweg „Fürchtet euch nicht!“ geht mir nicht aus dem Sinn. In unserem Leben sind wir auch irgendwie unterwegs, mal freiwillig, mal beordert, aber immer mit dem Wunsch ein Ziel zu erreichen.

In diesem Unterwegssein wünsche ich Ihnen, dass Sie die Botschaft der Hoffnung und des Trostes, „Fürchtet euch nicht, denn ich bin bei euch!“ erfahren dürfen.