1. Meinung

Glaube im Alltag zum Thema Erntedank

Religion : Erntedank

Herbst ist es geworden und wir feiern Erntedank, aus dem Bewusstsein heraus, dass wir vieles in unserem Leben nicht machen, fabrizieren können, dass wir es uns schenken lassen müssen. Jahr für Jahr erleben wir eine überwältigende Fruchtbarkeit der Natur.

Dankbar entdecke ich als glaubender Mensch in dieser fruchtbaren Fülle ein Bild für gelingendes menschliches Leben. Betet nicht Jesus beim Letzten Abendmahl darum, das seine Jünger Frucht bringen sollen und dass diese Frucht bleibt? (Joh 15,16)

Das schau ich mir genauer an: Ich sehe einen Baum, der Früchte trägt, finde dazu Gedanken von Elmar Gruber: „Tragen, ertragen, Früchte tragen, das ist Aufgabe meines Lebens – nicht das Fabrizieren. Werke, Fabrikate sind tot, Früchte sind lebendig.

Was immer ich trage, Menschen, Freude, Leid, unabänderliche Gegebenheiten, es wird mich zum Guten verändern, verwandeln, wenn ich es er-trage und nicht besitzen, in den Griff bekommen will.

Im Tragen bin ich fruchtbar. Das, was ich trage, braucht meine Kräfte, meine Fähigkeiten. Was ich trage und er-trage, wird meine Frucht.

Tragen ist keine isolierte Beziehung zwischen Baum und Frucht, Mutter und Kind, zwischen Tragendem und Getragenem. Der fruchtbare Baum ist fruchtbar für alle. Der tragende Mensch ist erträglich für alle, ja noch mehr: Er ist beliebt und erweckt Freude.

Im Tragen ist Hoffnung. Was ich trage, reift und lässt mich reifen – kein langweiliger Prozess, sondern ein Geschehen voller Überraschungen. Jeden Augenblick kommt Neues dazu, von selber – nicht von mir gemacht. Jeder Augenblick ist „zu-kommend“, ein neues Geschenk.

Jeder Augenblick ist „Zu-kunft“. Zukunft ist zunächst nicht das Morgige, sondern die Tatsache, dass ich das Jetzige als „zukommend“, als Geschenk erlebe.“

Soweit die Gedanken von E. Gruber, (Der Rosenkranz ISBN 3-7698-0337-X Seite 12-14) eine kleine Anregung: Erntedank – ein Bild gelingenden menschlichen Lebens. Es lohnt sich, darüber nachzudenken.