1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag

An dieser Stelle muss mal mit einem beliebten Vorurteil gegenüber Protestanten aufgeräumt werden. Karfreitag ist der höchste evangelische Feiertag, hört man gerne mal, auch in der Bistumsstadt Trier.

Ist aber Quatsch. Denn auch für Protestanten ist der Ostersonntag, die Feier der Auferstehung Jesu, der größte Tag - bei aller Hochschätzung des Karfreitages. Das hat gute Gründe. Mein Professor an der Uni sprach in seinen Vorlesungen immer von der "Auferweckung des Gekreuzigten". Dabei zischte er so lange mit dem S, dass es mir noch heute in den Ohren pfeift, wenn ich daran denke. Was er damit sagen wollte: Es gibt einen unauflöslichen Zusammenhang zwischen Kreuz und Auferstehung, zwischen Karfreitag und Ostern. Denn es ist keinesfalls gleichgültig, wer da um das Jahr 30 herum mit der grausamsten Todesstrafe hingerichtet wurde, welche das Römische Reich zu bieten hatte. Ein jüdischer Wandermissionar namens Jesus von Nazareth, der Liebe predigte und Versöhnung - und den die römischen Besatzer im Zusammenspiel mit der Gruppe der sogenannten Sadduzäer für eine politische Gefahr hielten. Einer, der seinen Weg lieber anders zu Ende gegangen wäre, später aber in sein Schicksal eingewilligt hat, der sich auskannte mit Furcht, Schmerz und Gottvertrauen. Diesem Menschen gibt Gott recht, indem er ihn von den Toten auferweckt. Gott stellt sich damit auf die Seite der Opfer dieser Welt, damals wie heute. So steht das Kreuz nie nur für sich, auch nicht an Karfreitag. Hinter dem Folterwerkzeug blinzelt schon die Sonne des Ostermorgens hervor, das Licht der Auferstehung. Das Todeszeichen wird zum Zeichen der Solidarität mit den Opfern und zum Hoffnungszeichen, dass es nach Gottes Willen einmal ein Ende haben soll mit den Grausamkeiten dieser Welt. Pfarrer Christoph Urban, Trier