1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag : Einer hat uns angesteckt …

Es ist doch immer wieder faszinierend, wie man neue Wörter kennen- und lieben lernt. So war es für mich dieses Jahr das Wort „durchseucht“. Ein Wort, das negativ klingt, aber letztlich ist das Wort unsere Hoffnung: Wenn die Menschheit genügend mit Corona „durchseucht“ ist, dann haben wir eine Gruppenimmunität.

Als ich im Supermarkt vor dem ausverkauften Toilettenpapier stand, war er wieder da, der Gedanke an die Durchseuchung. Eine ganze Gesellschaft meint, wie wahnsinnig einen bestimmten Artikel aufkaufen zu müssen. In Italien übrigens den Grappa und in Holland den Käse, konnte man scherzhaft lesen.
Ist es so leicht, einen Gedanken in eine Gruppe von Menschen hineinzubringen? Ist letztlich auch die Liebe und die Hoffnung auf das Reich Gottes einem Virus vergleichbar, mit dem uns einer hätte anstecken wollen. Aber wenn ich um mich schaue (und natürlich auch zuweilen in mich hinein), dann bezweifle ich, dass wir mit diesem Gedanken schon ausreichend durchseucht sind. Dazu wäre es nötig, noch weniger nach schwarz und weiß einzuteilen, nach links und rechts, nach arm und reich. Wir müssten noch mehr zusammenzurücken. 1985 sang Michael Jackson mit einer Big Band großer Künstler gegen den Hunger „die Welt muss an einem Strang ziehen, wenn sie verhindern will, dass Menschen (sinnlos) sterben“ (aus: we are the world). Hunger und andere Qualen sind in den letzten drei Monaten fast in Vergessenheit geraten. Nur das Klima, ja das hat sich verbessert, in der Zeit des Lockdowns. Viele standen Kopf, viele haben sich aufgerieben in den letzten Wochen, ihre Tätigkeiten ganz anders auszuüben. Familien mussten improvisieren. Einige neue Wege erwiesen sich als gar nicht so schlecht. Und immer wieder haben wir ganz leicht die Frage berührt, was ist eigentlich wesentlich in unserem Leben?