1. Meinung

glaube im Alltag

glaube im Alltag

Und wieder ist ein Jahr vergangen.

.. Zeit, den Blick zurückzuwerfen, Bilanz zu ziehen. Zeit für gute Vorsätze, die aus all dem resultieren, was nicht gelungen ist in den vergangenen 365 Tagen. Nein, heute will ich mal nicht von guten Vorsätzen reden. Nichts gegen gute Vorsätze, aber seien wir ehrlich: Wie schnell sind im Alltagswahnsinn die meisten dieser Pläne schon kurz nach dem Jahreswechsel wieder vergessen? Mich fasziniert an dieser Stelle die Erzählung von den Heiligen Drei Königen. Lange schon haben die morgenländischen Gelehrten die ungewöhnliche Sternenkonstellation am Himmel beobachtet. Und irgendwann konnten sie nicht anders, als sich auf den Weg zu machen, um dem Rätsel des Sternes auf die Spur zu kommen. Der Blick der drei Männer richtet sich nach oben, in den Himmel. Und der Stern ist ihnen Wegweiser auf dem Weg zur Krippe in Betlehem. Sie vertrauen dem Zeichen und werden nicht enttäuscht: Ihre Reise lohnt sich. Und bietet ihnen eine völlig neue Perspektive auf die Welt. Nun müssen wir nicht alle astronomische Gelehrte sein, Gott teilt sich uns auf verschiedene Weisen mit: Den Sterneguckern in Sternenbildern, den visuell Begabten in Bildern und Träumen, den Kommunikativen in Gesprächen mit anderen Menschen und im Gebet, denen, die den Weg suchen, in der Begegnung mit anderen, den Traurigen im Lachen, den Mutlosen im Risiko, den Übervorsichtigen im Chaos. Auch wenn noch unbekannte Wege und Begegnungen vor uns liegen, ist Gott doch bei uns. Manchmal sehen wir dabei den Stern nicht mehr, manchmal gibt es verhangene Nächte, in denen die Wolken die Sicht auf die Sterne verdecken. Und doch: Gott ist da. Richten wir doch zum Wechsel in dieses neue, noch unbekannte Jahr unseren Blick auch nach oben. Wer weiß, welcher Stern uns leuchtet und welchen Weg wir entdecken, wenn wir uns einfach so auf den Weg machen. Mit einem Blick, der vorwärtsgewandt und offen ist für Neues. Im Vertrauen darauf, dass Gott uns begleitet. Und so wünsche ich Ihnen für das neue Jahr keine guten Vorsätze, sondern nicht nur heute eine sternenklare Nacht. Pfarrerin Maike Roeber, Trier