1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag

Ein schickes Büro, geschmackvoll eingerichtet. An der Wand ein moderner Kunstdruck: abstrakt, klare Linien und beeindruckende Farben.

Am Schreibtisch ein weiteres Bild: ungelenkere Linienführung, kaum näher an der figürlichen Darstellung als das erste. Hier wirkt die Bildaufteilung eher zufällig, die Farbwahl ebenso. Man könnte auch sagen: "Krickelkrackel". In der Ecke steht: Für Mama von Tim. Ohne diese Notiz wäre die Zusammenstellung der beiden Bilder überraschend, so aber erschließt sie sich problemlos. Wie schön, dass die Mama Tims Bild solch einen Wert beimisst, auch wenn sich Kunstexperten davon wohl kaum beeindrucken ließen. Wie gut, wenn Eltern ihre Kinder lieben, unabhängig von deren objektiver Leistung. Wenn Anerkennung nicht erst verdient werden muss. So ähnlich wie zwischen Tim und Mama, so stelle ich mir unser Verhältnis zu Gott vor: Für ihn sind wir die Kinder, die er liebt, unabhängig vom objektiven Wert der Lebensleistung, die wir erbringen. Denn - mal ehrlich - wie sollten wir auch etwas leisten, womit Gott zu beeindrucken wäre? Zum Glück sucht Gott bei uns nicht Perfektion, sondern bunte Beziehung. Und so darf mein Lebensbild auch aussehen: eine mal mehr, mal weniger gelungene Bildaufteilung ergriffener und vertaner Chancen, nicht mehr korrigierbarer Ausrutscher und gelungener Übergänge. Und genauso sind diese Lebensbilder wertvoll: Mit ihren eintönigeren Abschnitten und anderen, die mir fast schon zu bunt werden, mit Ecken und Kanten, geradlinig und krumm. Und all dies nicht nur für mich, sondern auch für ihn gemalt: Von Cornelia für Gott. Vikarin Cornelia Stock, Trier