1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag

Im Zeichenunterricht in der Schule malt ein kleines Mädchen ein Bild. Irgendwann kommt der Lehrer und fragt das Mädchen: "Was malst du denn?" "Den lieben Gott", antwortet sie.

"Den lieben Gott? Den kann man doch nicht malen. Denn niemand weiß, wie er aussieht", sagt der Lehrer. "Warten Sie noch einen Moment, dann wissen Sie es", entgegnet die sonst eher schüchterne Schülerin. Die kleine Geschichte stammt vom englischen Bildungsexperten Ken Robinson. Er erzählt sie, um das große Maß an kindlicher Kreativität anschaulich zu machen. Pfingsten erinnert uns an Gottes Kreativität. Die Bibel berichtet, dass die christliche Gemeinde an Pfingsten plötzlich in unterschiedlichen Sprachen sprechen konnte. Das war der Heilige Geist, erzählt sie uns, weil Gott diese Menschen besonders begabt hat. Wenn Gott seinen Geist schickt, dann geht es also ziemlich kreativ zu. Und ich glaube, das ist auch heute noch möglich: Andernach zum Beispiel ist eine "essbare Stadt". Weil einer auf die Idee gekommen ist, Kartoffeln statt Stauden in städtischen Beeten anzupflanzen. Tolle, kreative Idee, finde ich. Und die Wirkung ist außergewöhnlich: Viele Andernacher interessieren sich mit einem Mal mehr für ihre Stadt. Oder das ergreifende Abschiedsvideo vom ISS-Kommandanten Chris Hadfield auf YouTube in dieser Woche. Er singt und interpretiert David Bowies Song "Space Oddity" und untermalt damit wunderschöne Bilder von der Erde und dem Weltall. Da ist Kreativität am Werk. Und diese Kreativität lässt Gottes Geist erkennbar werden. Sei es in Bildern von kleinen Mädchen oder in Fotos von großen Jungs. All das sagt mir: Lass deiner Kreativität ruhig freien Lauf. Lass Gottes Geist wirken. Das ermöglicht mir nämlich auch Vorstellungen davon, wie Gott aussieht und wie er wirkt. Pfarrer Dr. Jörg Weber, Trier