1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag

In Trier hatte man sich fast schon dran gewöhnt. Jeden Tag im April und Mai während der Heilig-Rock-Wallfahrt zogen Prozessionen von Pilgerinnen und Pilgern durch die Straßen - und natürlich auch mitten durch den Alltag; manchmal blockierten oder behinderten sie auch: den Verkehr - und eben auch die alltäglichen Abläufe in der Stadt.

Bestimmt haben sich manche da ein bisschen überwinden müssen: auf die Straße gehen, den Glauben demonstrieren, sich mit Kirche solidarisieren - schwierig in einer Zeit, in der manche die Kirche richtig in der Krise sehen. "Was, du bist noch katholisch!?" Heute wieder Prozessionen - aber ein bisschen anders als vor einem Monat. Am gesetzlichen Feiertag Fronleichnam ist der Alltag schon mal von vornherein ausgeblendet. Aber egal, ob Prozessionen über Straßen und Plätze ziehen oder ob es wie auf der Tarforster Höhe eine "Sitz-Prozession" gibt: Es ist jedenfalls wieder ein öffentliches Bekenntnis. Eine Demo, in der die Leute sich zeigen als Gemeinschaft von Menschen, die den Glauben teilen und auch das heilige Brot, dem sie da nachlaufen. Menschen, die übrigens auch die vielen Zweifel mittragen; die selber manches infrage stellen und kritisieren. Menschen, die hoffen, dass bei dem lange angekündigten Zukunfts-dialog bald auch ihre eigenen Vorstellungen von Kirche und Glauben wirklich gefragt sind und gehört werden. Als christliche Geschwister gehören wir zusammen und zeigen das - auch in ernster Lage. Ja, das bleibt möglich und notwendig, weiterhin. Ich hoffe, es gelingt. Zumal wir ja nicht allein sind; wir sind unterwegs mit Jesus Christus. Der lebt in uns drin, in jeder und jedem; und er ist bei uns, sichtbar unsichtbar in einem kleinen Stückchen Brot. Altfried G. Rempe ist Pastoralreferent aus Trier.