1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag : Weißer Sonntag?

Morgen ist „Weißer Sonntag“. Normalerweise gehen dann Kinder zum ersten Mal zur Heiligen Kommunion. Unter den jetzigen Corona-Bedingungen sind es nur wenige Gemeinden, die dieses Fest morgen feiern.

Häufig ist es auf später verschoben. Ist das schlimm?

Schauen wir auf die Entstehung des Weißen Sonntags! Ursprünglich nahmen ab Gründonnerstag die neuen TaufkandidatInnen – alles Erwachsene! – an der Feier der drei österlichen Tage teil.

Sie wurden in der Osternacht nach der Taufwasserweihe getauft. Als Zeichen der Taufe trugen sie weiße Kleider. Diese Symbolik finden wir im Taufkleid, im Kleid zur Erstkommunion und im Brautkleid sowie in der weißen Albe bei der liturgischen Kleidung wieder.

Sie trugen diese weißen Kleider bis zum ersten Sonntag nach Ostern – auch in der Eucharistiefeier dieses Sonntags. Daher der Name: „Weißer Sonntag“.

Ganz bewusst war so der Zusammenhang zwischen der Einsetzung der Eucharistie am Gründonnerstag, der Taufe in der Osternacht, dem österlichen Fest der Auferstehung Jesu hergestellt und eine ganze Woche in Erinnerung gehalten. Heute sind Taufe und Erstkommunion zeitlich sehr weit auseinander liegend.

Ursprünglich wurden sogar Taufe, Erstkommunion und Firmung in einer Zeremonie gefeiert.

Wenn wir christliches Leben und das Vor-leben, wie Christsein geht, ernst nehmen, dann stehen wir als getaufte Christen unserer Verantwortung dafür, den Glauben weiterzugeben, unausweichlich gegenüber.

Denn dann sind wir als Gemeinde neben den für die Erziehung der Kinder Verantwortlichen mit in der Pflicht. Dann lernen die Kinder durch die Eltern und durch uns das Christsein.

Und dann entscheidet sich, im Zusammenhang mit der lebensbegleitenden Glaubensschule, für jedes Kind an einem individuellen Zeitpunkt, wann das Kind zum ersten Mal die Kommunion empfangen kann.

Es kann – und das ist auch kirchlich möglich! – seinen ganz persönlichen „Weißen Sonntag“ feiern. Egal, an welchem Tag im Jahr. Und dann kann es, irgendwann im Jahresablauf, einen gemeinsamen Festgottesdienst mit der Gemeinde für alle die geben, die in diesem Jahresablauf zum ersten Mal zur Heiligen Kommunion gegangen sind.

Natürlich würde sich so der Akzent auf dem „Weißen Sonntag“ am Sonntag nach Ostern deutlich verschieben. Wäre das schlimm? Oder würde das nicht eher die Bedeutung der Erstkommunion und der Kommunion im Gottesdienst an sich deutlicher hervorheben?