1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag : Vermissen Sie etwas?

Ich denke jetzt nicht an Ihre Brille, die Autoschlüssel oder andere Gegenstände. Es geht auch nicht um herzliche Umarmungen, soziale Kontakte, Urlaub, spontane Restaurant- und Frisörbesuche und all das, was für uns bis vor etwa 15 Monaten selbstverständlich war.

Diesen ganz normalen, früher vielleicht als langweilig empfundenen Alltag vermissen wir wahrscheinlich alle und sehnen ihn geradezu wieder herbei. Ich meine etwas anderes.

Vermissen Sie etwas, das mit Ihrem Glauben, Ihrer Spiritualität, mit der Kirche zu tun hat? Fehlen Ihnen Formen von Gottesdienst, Angebote kirchlicher Gruppierungen, Vereine? Oder haben Sie während der Einschränkungen durch Corona gemerkt, dass manches äußerlich zwar eine schöne Gewohnheit oder Tradition ist, der tiefere Sinn Sie aber nicht (mehr) wirklich berührt? Haben Sie im Gegenzug Neues ausprobiert, vielleicht im Familienkreis Gottesdienste gestaltet, vorm Fernseher mitgefeiert oder spezielle Online-Angebote genutzt und dadurch neue Impulse bekommen? Ich glaube, durch Covid-19 ist uns schneller und deutlicher bewusst geworden, dass, wenn sich das Leben, die Bedürfnisse und die Fragen der Menschen ändern, die alten Wege und Antworten nur noch bedingt hilfreich sind.

Vergangenem nachtrauern ändert nichts daran. Immer nur erwartungsvoll auf andere schauen auch nicht. Jeder von uns hat den Auftrag, aktiv zu werden, damit Kirche vor Ort lebendig bleiben oder werden kann. Die Ermutigung und der Rückhalt, den die Jünger an Christi Himmelfahrt erfahren haben, gilt auch für uns: Schaut nicht weiter in den Himmel, eure Aufgabe ist auf der Erde. Lebt den Menschen vor, was ich euch gelehrt habe. Ich werde immer bei euch sein und euch Kraft und Mut für euren Dienst schenken. Ich vertraue euch.