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Glaube im Alltag

Glaube im Alltag : Altes sei abgetan

Wir stehen vor dem zweiten Fronleichnamsfest ohne die vertrauten Prozessionen. Es gibt kreative Alternativen: Wir laden beispielsweise zu einem Autogottesdienst an der Frohnertkapelle bei Oberkail ein.

Werden wir nach der Corona-Zeit wieder an die gewohnten Traditionen anknüpfen können? 

Da fällt mir etwas auf! Üblicherweise singen wir bei der Prozession am ersten Altar immer einen alten Hymnus aus dem 13. Jahrhundert, die Worte stammen von dem Kirchenlehrer Thomas von Aquin. Da heißt es: „Altes sei abgetan, alles sei heute neu: Wort und Tat und das ganze Herz!“

 Als Fronleichnamsbotschaft etwas überraschend, dieser Appell Altes hinter sich zu lassen und neue Wege zu wagen. 

Achten wir auf die Zeichen der Zeit! Man sagt, dass Corona besonders gefährlich sei bei Vorerkrankungen. Und wir als Kirche haben gleich verschiedene Vorerkrankungen, die wir bisher nicht wahrhaben wollten. Aber jetzt sind wir damit konfrontiert und können nicht mehr ausweichen. Nach dem Ende der Pandemie werden wir in vielen Bereichen der Pastoral ganz neu beginnen müssen.
Dann gilt tatsächlich: Altes sei abgetan, Neues soll sich entwickeln dürfen. Das gilt für unsere Gottesdienstkultur, unseren Umgang mit Erstkommunion und Firmung, unsere Gruppierungen wie etwa Ministranten oder Chöre und manches andere. 

Wie werden wir in zehn Jahren Fronleichnam feiern? Vielleicht könnte gerade an diesem Tag deutlich werden, dass wir nicht nur für die drei Prozent unserer Katholiken zuständig sind, die sonntags noch zur Messe kommen.

Wir wagen es, „das Allerheiligste“ unter die Menschen zu tragen. Auch ein alter Ritus hat Perspektive, wenn er einladend ist, offen für Begegnungen, aus denen vielleicht auch neue Formen der Solidarität erwachsen.

Wir können schon jetzt mit Überlegungen beginnen, wie wir Fornleichnam so feiern, dass etwas Neues entsteht, in Wort und Tat und in den Herzen der Menschen.

Dann kann dieses Fest für viele Menschen zum Segen werden.