1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag : Keine hochtrabenden Reden

Da gibt es etwas, was kaum einer leiden kann: hochtrabende Reden.

In gestelzter Sprache komplizierte Inhalte zu vermitteln – wie schrecklich! Doch leider machen das manche ganz gerne. Das gilt in der Politik, in der Kirche, der Gesellschaft, der Kultur und vielen anderen Bereichen.

Hochtrabende Reden – das sagt mehr über den Redner oder die Rednerin aus als über die Zuhörerschaft. Denn an erster Stelle soll es heißen: „Leute, schaut und hört doch mal, wie gewählt ich mich ausdrücken kann. Bin ich nicht ein toller Typ?“

Und die Zuhörerschaft? Sie ist vielleicht beeindruckt – aber leider auch oft abgehängt, weil sie der Rede nicht folgen kann. Ob sie sich davon blenden lässt? Wem nützt die hochtrabende Rede? Eigentlich nur einem: der Eitelkeit des Redners!

Wie anders klingen da die Gleichnisse Jesu. Am morgigen Sonntag wird in den Kirchen das Evangelium vom „Wachsen der Saat“ und von „Senfkorn“ gelesen (Markus 4,26-34).

Es geht um Samenkörner, die ausgesät werden, die keimen und wachsen, Frucht bringen oder Schatten spenden. Das ist definitiv keine hochtrabende Rede. Klingt eher nach einem einfachen Lehrstück aus der Natur.

Jesus offenbart sich hier als Meister der Sprache, der das Ohr am Leben der Menschen hat. Einfache Bilder aus der Alltagswelt der Menschen (Samen säen, wachsen, Frucht bringen) verknüpft er mit klaren Inhalten (so ist das Reich Gottes, es wächst, braucht Geduld, kommt an ein Ziel; unscheinbare Samen haben großes Potenzial).

Das haben die Menschen seiner Zeit verstanden – und diese Rede hat ihre Faszination 2000 Jahre lang bewahrt. Welcher Redner kann das von sich behaupten?

Das alleine will uns wohl schon eine Lehre sein – auch in unserer Kirche. Nicht hochtrabend reden, sondern nahe an der Lebenswirklichkeit der Menschen, damit unsere Rede auch verstanden wird. Dann wäre weniger mehr. Und was will unser Evangelium uns nun sagen?

Ganz einfach: Gott hat seine Botschaft in die Welt gelegt, klein und unscheinbar, aber mit Kraft und Potenzial; manches wächst schnell, anderes langsam. Vielleicht ist aktuell auch manches noch (oder wieder) in der Keimruhe.

Aber die alles entscheidende Frage ist: was vom Reich Gottes wächst in mir? Einen gesegneten Sonntag wünscht ihnen allen

Ihr Pastor Thomas Weber