1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag

Lassen Sie mich an dieser Stelle einmal freimütig bekennen: Ich bin ein eifriger Nutzer des Wahlomaten. Kennen Sie den? Das ist eine Internetseite und App der Bundeszentrale für politische Bildung.

Darauf können Sie die Positionen der Parteien, die zu einer Wahl antreten, mit dem vergleichen, was sie selbst denken. So auch jetzt zur Europawahl. Darauf muss man keine Wahlentscheidung gründen, aber man kann sich darüber mit den Inhalten auseinandersetzen, um die bei einer Wahl gerungen wird. Und es ist darüber hinaus interessant, mit welchen Programmen und Thesen so manche kleine Partei zur Wahl antritt. Mit Erschrecken las ich die Positionen einer Kleinstpartei, die sich christlich nennt und deren Name irgendwie den Eindruck vermitteln möchte, als stehe sie für eine breite Bevölkerungsschicht. Zum Glück bekommen die meistens nur 0,2Prozent. Ziel der Partei ist ein Europa angeblich nach den zehn Geboten. Was sich dann dahinter konkret verbirgt, ist ein antiquiertes Familienbild und, man muss es leider so sagen, Fremdenfeindlichkeit. Dagegen ist zu sagen, dass gerade das Alte Testament, aus dem die zehn Gebote ja stammen, andere Maßstäbe guter Politik benennt. Nämlich Gottes Gerechtigkeit, und das meint Barmherzigkeit. Eine kluge Herrschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie sich um die Witwen und Waisen kümmert und um die Fremdlinge, so das Alte Testament.Will meinen, dass sie sich an denen orientiert, die besonderer Unterstützung bedürfen und mit Migranten und Flüchtlingen gut umgeht. Und dieser Hinweis ist aktuell, wo doch die Flüchtlingskatastrophe von Lampedusa, als fast 400 Menschen vor Europas Grenzen ertranken, noch nicht lange her ist. Die Bibel ist kein Wahlomat, und wir sind es auch nicht. In dem Sinne wünsche ich eine gute Wahl nach bestem Wissen und Gewissen. Pfarrer Christoph Urban, Konz