1. Meinung

Glaube im Alltag

Glaube im Alltag : Vielleicht nicht morgen…

Im Sonntagsevangelium berichtet Jesus in einem Gleichnis von einem Feigenbaum, der keine Frucht bringt, auch nach einigen Jahren nicht. Der Baum scheint ein hoffnungsloser Fall zu sein, eine Enttäuschung für jeden Gärtner.

Da hilft sicherlich nur noch Abholzen.
Aber der Gärtner, der eigentlich so enttäuscht sein müsste von der Situation, setzt sich für den Feigenbaum ein und möchte eine „Gnadenfrist“ für ihn. Er hat noch das Vertrauen, dass der Baum vielleicht doch noch Frucht tragen wird bis zum nächsten Jahr. Der Gärtner sorgt sich um den Baum, wie um einen Freund, stellt sich schützend vor ihn und traut ihm etwas zu.
Auch wir Menschen sind oft wie der Feigenbaum. Wir verhalten uns nicht so, wie man es von uns als gute Menschen erwarten könnte, auch wir und unser Verhalten tragen nicht immer wirklich Frucht. Aber auch da ist jemand, der Hoffnung in uns setzt, der uns nicht direkt aufgibt und der sich schützend vor uns stellt und uns etwas zutraut: Gott.
Weshalb also verzweifeln, aufgeben, wenn es doch jemanden gibt, der an uns glaubt? Wenn es jemanden gibt, der uns zutraut, dass sich unser Verhalten ändert, bessert und demnächst doch noch Frucht trägt. Jetzt liegt es an uns, mitzuhelfen und selbst aktiv zu werden, denn das Wohlwollen, die Unterstützung und der Rückhalt durch Gott ist uns gewiss. Wie schön es sein wird umzukehren und selbst zu realisieren, dass unser eigenes Verhalten Früchte tragen kann.
Und weshalb sollten wir uns nicht auch selbst mal den Gärtner als Vorbild nehmen und den Menschen Zeit geben, die uns enttäuscht haben? Vielleicht sollten wir uns dennoch auch um sie bemühen und sie nicht aufgeben, ihnen genauso eine „Gnadenfrist“ geben, damit wieder Früchte wachsen können, vielleicht nicht morgen, aber sicher bald.